Donnerstag, 11. April 2013

Vertrauen Sie dem Glauben?

Dies wird eine kleine (winzige!) Sprach-Kritik.
(Den erweiterten Beitrag zur "Erziehung" finden Sie im Verantworten-Blog)
Die wenigsten Menschen blenden bei dem Begriff Kritik ein, dass darin auch alles vorteilhafte und lobenswerte enthalten ist, die meisten Menschen füllen in den Begriff "Kritik" fast nur das Donnerwetter, die Beschämung und die Peinlichkeit. Wir gleiten bei aller Einschätzung und fast jedem Urteil welches eingeholt oder auch nur so daherkommt, fast nur in Superlative der Abwertung hinab. Nur wenige Menschen füllen (fühlen?) in ein Spiegelbild kein Zerrbild ein, sondern einfach nur das, was ist.
Das Zerrbild der Wirklichkeit ist Uns noch Normalität bei der Beurteilung des DaSein.

Das ist doch aber vollkommen verständlich, denn, woher sollten Wir es denn besser wissen, hat Uns doch niemand beigebracht, die Tatsachen so zu bewerten, wie sie sind. Wie könnten Wir das denn auch! Wir Selbst sind doch Tatsachen, wir Selbst stehen doch mittendrinn, sind doch mit allem auch irgendwie verbunden, also wie sollten Wir klar und deutlich und sogar unabhängig, quasi von Ausserhalb oder zumindest aus einiger Entfernung Anderes, ja, gar Uns Selbst beurteilen und das auch noch stimmig, passend, eindeutig? Im Vergleich mit Was? Denn Beurteilung braucht doch auch den Vergleich, das ist zwingende Voraussetzung für alle Urteile: der Ver-/AbGleich mit etwas VerGleichbarem, zumindest Anderem.

Da taucht Etwas auf, plopp!, so aus dem "Nichts" und Eines wird aufgefordert dieses Etwas zu beurteilen. Na los, drückt ein Instinkt, eine "Berufung" auf die Tube!: Bewerte das! Was ist das? Und nu? Was jetzt? Mensch schaut herum, um das Etwas, das da aufgetaucht ist, so plötzlich, und sucht nach VerGleichsEtwas, weil so ohne etwas Anderes, wie soll Eines da Etwas einschätzen. Na, nur in der Wirkung auf Es Selbst, also zum Beispiel so: das Etwas, das da so einfach aufgeploppt ist, ist a-/symmetrisch geformt, ist weich/hart, spitz/rundlich, ist ein-/vielfarbig, in kräftigen/matten Farben und es tut ein-Es nicht weh, oder tut es das? Vielleicht ist Etwas auch schön, weil Etwas ein-Es zärtlich berührt?

Braucht das Gefühl einen Vergleich, oder kommt das Gefühl ohne Einen aus?

Ach wissen Sie, das geht alles schon wieder zu weit! 
Bleib *ich doch einfach mal ganz nah.

Vor ein paar Jahren habe *ich angefangen, das Sprache, das *mir eingeflösst wurde, weil *ich darin nun mal hineingeboren wurde, ein wenig auf Abstand zu drücken, das Sprache als Etwas zu fühlen, als Etwas, das da ist und auch nützlich ist, aber nicht notwendig, nicht über- oder auch unterlebenswichtig, sondern als Werkzeug, als "seltsame" Beigabe des irdischen DaSeins.
Das Sprache bestimmte mich.

Das deutsche Sprache floss so in *mir herum und wollte alles, was *ich bin betasten, ja, mehr noch, wollte in Alles hinein, wollte es quasi Sein.
Nein! Das geht nicht!

Nicht bevor *ich genau weiss und vor allem erfühlt habe, was das ist: Sprache?

Also, erst mal etwas weggdrücken und genauer hin[ein]spüren. Mit Vorsicht und Einsicht, mit Hilfe durch die Erfahrungen darin und damit; es ist ja ein seltsames Ding, dass das Sprache so frech und intensiv ist, dass die Bewertung des Sprache, des Sprache Selbst bedarf.
Erst mal.

Und von diesem "Erst mal" kündet mein nun folgender Beitrag.
Das Sprache ist schon mal ein wenig auf Abstand geschoben worden, aber nur ein wenig, gerade so viel, dass wenigstens schon ein paar Lücken und Grenzbereiche erspürbar sind, aber nur wenige.
.
Ein Laden für Anhänger des "tiefen" Glaubens,
an der Skalitzer Strasse, kurz vor dem
Schlesischen Tor, in B-Kreuzberg.
Aber ist ja klar zu erkennen.
.
Vorab ein VerzweiflungsGedicht:
»Ich möchte so gerne vertrauen.
Alle reden vom Vertrauen.
Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.
Zu viel Kontrolle, zu wenig Vertrauen.
Also lasst uns Uns Vertrauen.
Wie geht das zu Vertrauen?«

Und darauf begann die "Sprach-Arbeit":

Bei all dem nun Folgenden ist selbstverständlich in erster Linie wichtig, was Sie und auch *ich, in die SprachHüllen auf denen "Vertrauen" oder "Glauben" steht, eingefüllt haben. 
Was die Sprach-Handwerker des Duden Verlags darin einfüllen, ist es erst in zweiter Hinsicht. Aber es ist in jedem Fall, jedenfalls für m*ich, eine Hilfestellung zur Selbst-Erforschung der Inhalte, die so in auch m*ich eingefüllt wurden.
Also, los gehts:

Was steht im Herkunfts-Duden zu: TRAUEN,

das gemeingerm. Verb ahd. 'trû[w]ên' mhd. 'trûwen' engl. 'to trow', gehört im Sinne von "fest werden" zu der unter 'treu' behandelten Wortgruppe.

{zu 'treu' steht im Duden: stark, fest wie ein Baum {?}, auch im Sinne von: zuverlässig, ehrlich, wahr, richtig, echt, sicher}

Aus dem ursprünglichen Wortgebrauch im Sinne von: "glauben, hoffen, zutrauen", entwickelte sich die Bedeutung: "Vertrauen schenken"

{also ist Vertrauen umsonst, einfach so, für nix, geschenkt?}

und aus reflexivem "sich vertrauen" die Bedeutung "wagen".

Soweit der Herkunfts-Duden.

Aber jetzt kommts dicke! Puhh!

Ein Auszug aus dem Bedeutungs-Duden: Vertrauen, das;

die sichere Erwartung

{zur Erwartung: Dazu ein Auszug aus dem Herkunfts-Duden: 'warten': Das altgerm. Verb ... "ausschauen, aufpassen, erwarten" ... ist von dem unter 'Warte' behandelten Substantiv abgeleitet. Es bedeutet also eigentlich "Ausschau halten". Heute ist es auf die Bedeutung "kommendem entgegen sehen" eingeschränkt. ... 'erwarten' "auf jemanden, etwas warten, einer Sache entgegensehen, für wahrscheinlich halten; erhoffen, sich versprechen".}
...
{ich möchte schreien! Etwas schlimmeres könnte da gar nicht stehen. Ausgerechnet diese Handlungsweise aller Un-Tätigen, Beschämten, aller Un-Schuldigen, des Duckmäusertums, aller Verunsicherten, welche Alle verängstigt in Erwartung verharren, Oliver-August Lützemich eingeschlossen. Aber es kommt noch schlimmer. Weiter im Text:}

, fester Glauben

{Hilfe! Oh Jammer! Was ist einer der Unterschiede von Wissen und Glauben? Wissen braucht wiederholbare, nachvollziehbare Beweise, Glauben kommt "fast" ohne aus (Dazu möchte *ich einfügen, dass *ich sehr wohl weiss (!), dass erstmal ALLES purer GLAUBE ist, dass also alles Wissen erst mal aus dem Glauben extrahiert werden muss. Es ist wahrscheinlich so, dass sogar ALLES im GLAUBEN bleibt, dass "nur" Jen-Es und Dieses, das geprüft und eingeordnet und bewertet wurde, eine andere Färbung erhält, somit als "Wissen" gekennzeichnet wird, aber letztlich im GLAUBEN verbleibt, bis ... . Ja, wenn *ich das wüsste!). Und dann auch noch »fest«, also die eher steinerne Wahrscheinlichkeit}

daran, das man sich

{man sich? wer-s ich? wie-s ich? Reflexiv?, in-s ich, mit-s ich, -s ich?}

auf jemanden/etwas verlassen kann

{sich verlassen kann?, auf jemanden oder etwas?, ... geschenkt? Wie schnell ist ein-Es [ich] verlassen, Welches [ich] etwas umsonst kann?}

; sein Vertrauen zu seinen Freunden

{seinen Freunden? Seinen? Besitzanzeigendes Fürwort. Für nix?}

ist unbegrenzt.

{Ach!? Unbegrenzt? Grenzenloses Vertrauen, also? Da jedes Selbst in Grenzen (Haut) ist, ist die Frage doch: Ist Mensch noch/schon Selbst, ist da überhaupt ein-Es in der fast Grenzenlosigkeit des DaSein, ist da überhaupt IrgendEtwas, so ohne Grenzen, oder gilt es einfach die Sprache, deren Partikel, die Worte und deren Bedeutung an- und vor allem ernst-zu-nehmen?
Liebe Duden-Redaktion, wollt Ihr aufklären oder nur Unsinn nachplappern?}

und so weiter ...

Vertrauen ist also meist die sichere Erwartung, ->durch starren Glauben kostenlos unbegrenzte Freunde in-s ich besitzen zu können<-.
Kostenlos bekommt ein-Es eben nur unbegrenzte Freunde, also gar keine, ist doch so.

Freunde mit Haut und Haaren kosten immer etwas. Ein wenig Aufmerksamkeit vielleicht, ein bisschen Interesse und sorgende Begleitung, ab und zu auch tätige Hilfe, Mit-Hilfe, manchmal eine Mass und eine Brezn; aber die Guten Freunde zahlen das auch stets wieder heim, aber niemals unbegrenzt und einen Kuss gibt es oft noch obendrauf.

Liebe Duden-Redaktion, wie wärs damit:

Vertrauen ist ein Gefühl (ein Zustand), in jedem Lebewesen, das Sicherheit vermittelt, Wärme durch Nähe spendet, das Zuneigung und Hinwendung stärkt, und das tut es durch positive (in Mássen, also in kleiner Dosierung, auch schmerzhafte) persönliche, aber auch familiäre Erlebnisse und Erfahrungen, somit ist das Vertrauen eine der wichtigsten Quellen für den grossen Lebensbeweger und -erneuerer, den MUT. Denn Mut braucht Vertrauen, sonst Übermut, und wie Wir alle wissen, der tut selten gut, eigentlich nie, er tut nur manchmal weniger weh.

Vertrauen ist dabei weder umsonst, noch ohne Beweise zu fühlen. Anders als das Glauben. Das stärkt bestenfalls den Übermut. Und "Grenzenlos" ist eine der dümmsten Wortschöpfungen in den Sprachen, denn: Alles - aber Auch wirklich Alles im ErLeben - ist beGrenzt, es gilt:
ErLeben = BeGrenzt oder auch:
DaSein = inHautSein, und somit: Grenzenlos = ErLeb[nis]los.
Wenn also ein-Es, Selbst im Überschwang, davon spricht, ein-Es ander-Es "grenzenlos" zu vertrauen, dann ist dieses ein-Es entweder als Selbst quasi "nicht" vorhanden oder es lügt. Meistens gilt Beides.

Aber Jetzt zum ALLES, also dem ...

Aus dem Herkunfts-Duden: Glauben,

das Wort geht zurück auf IndoEuropäisch "galaubjan", was soviel heisst wie: 'für lieb halten, gutheissen', das zu der weit verzweigten Wortgruppe von 'lieb' gehört. Schon bei den Germanen bezog sich 'glauben' auf das freundschaftliche Vertrauen eines Menschen zur Gottheit.

{falsch! Für die Germanen waren die Götter die Schöpfer und Herren des Menschen und der Umwelt, das Verhältnis war ein um Freundlichkeit flehendes, bestenfalls bittendes, aber auf gar keinen Fall ein freundschaftliches , oder gar vertrautes.}

Nach der Christianisierung drückte es dann wie lat. 'credere' und griech. 'pisteúein' das religiöse Verhalten des Menschen zum Christengott aus.
Abgeschwächt wird "Glauben" im Sinne von "für wahr halten", sowie "annehmen, vermuten" gebraucht.

{was sollten Wir Menschen auch anderes tun, mit übergeordneten Wesen, die weder sicht- noch hörbar, allenfalls manchmal spürbar waren, die so schnell vernichten konnten, wie sie ein-Es schufen, ohne das ein-Es darin Einblick hatte Wieso?; da konnte ein-Es nur für lieb halten und bestenfalls annehmen, was so geboten wurde.}

zu "lieb", aus dem Herkunfts-Duden: lieb,

das gemeingerm. Adjektiv mhd. 'liep', ahd. 'liob', got. 'liufs' geht mit verwandten Wörtern in anderen IndoEurop. Sprachen auf die Wurzel '*leubh', "lieb, gern haben, mögen, begehren", zurück, vgl. z.B. lat. 'libere' "belieben, gefällig sein", oder auch lat. 'libido' "Begierde". Aus dem germanischen Sprachbereich zählen noch dazu: "loben, erlauben", sowie "glauben", die im Ablaut zu dem gemeingerm. Adjektiv stehen.

Soweit der Herkunfts-Duden.

Nun der Bedeutungs-Duden zum: Glaube[n],

gefühlsmässige, nicht von Beweisen abhängige Gewissheit, Überzeugung von etwas, was man für wahr hält: ein blinder, [felsen]fester, starker, unerschütterlicher Glaube.

Ende der Auszüge.

Zum auf der Zunge zergehen lassen: "... ein blinder felsenfester, starker, unerschütterlicher Glaube". So formuliert der Duden den Glauben. Wieviel davon ist wohl in den vergangenen Jahrhunderten in das "deutsche" DaSein eingegangen. Anders gefragt, wieviel von dem Bedeutungsinhalt und -hintergrund ist in den Preussischen Drill und damit auch in das Dritte Reich eingeflossen?

Felsenfest und Unerschütterlich, Unerbittlich und Heilig, bei diesen Wörtern höre *ich im Innenohr den Stechschritt und die Herren Hitler und Goebbels (um Hilfe?) schreien.
Deutschland war wahrscheinlich (?) eine Glaubensgemeinschaft im steinernen Starrkrampf mit hysterischen, vernichtenden Ausbrüchen, vor allem nach Osten und nach Oben (Bewusst-Sein, Verstand?). Etwas sehr verkürzt, *ich gebe es zu.

Wie weit reicht das Sprache, deren Wurzeln und der junge Stamm, noch bis in das Heute, wie weit werden Wir heutigen "deutschen" Menschen von das deutschen Sprache und deren Hintergrund und Erfahrungen bis Heute erzogen (geprägt)?
Da gibt es noch einiges zu erforschen und zu entdecken.

Glücklicherweise ist zu beobachten, dass der Glaube in der aktuellen deutschen / europäischen Gesellschaft stetig an Unerschütterlichkeit und felsenhafter Starre verliert und auch wir "deutschen" Menschen in Mehrheit immer mehr Beweise fordern und Offenheit und Klarheit wünschen.

Die Richtung stimmt, aber *ich bleibe dabei, noch ist die Gegenwart ziemlich widerwärtig.

Am Rande: Tertullian (gelebt vor etwa 1800 SonnenUmkreisungen):
"credo quia absurdum" in dt. also etwa: "ich glaube, weil es unsinnig ist". Glaube ist also eine Unverständlichkeit, da "glaube" *ich doch, es ist besser zu wissen.

Da fällt *mir ein Gedicht ein, das *ich bereits vor zwanzig Jahren zum Thema Glauben schrieb, quasi eine JugendSünde, als *ich noch im vollen Glauben war.
Ich habe es hervorgekramt, hier ist es:

?

Oh, Ihr himmlischen Kräfte! Warum?
Oh, Ihr göttlichen Gewalten! Weshalb?
Warum wird es uns so leicht gemacht, die Fatze zu beschauen?
Oh Schöpfer!?
Warum schützt du uns nicht davor zu Neiden, zu Zerstören,
zu Verdrängen, zu Unterdrücken?
Rassenwahn! Fremdenhass! gekippte Seen! gefärbte Flüsse!
Wälder??
Warum fällt das Böse uns so leicht?
Weshalb erlaubst Du nur so wenigen sich zu erinnern,
daraus zu lernen; das andere zu verstehen,
zu tolerieren; die Aufgeschlossenheit?
Warum steht Profit vor Achtung ?
Weshalb Omertá vor Toleranz ?
Wieso Nazi vor Nächstenliebe ?
Wofür Zerstörung, statt Schutz des Schwächeren ?
Warum tut uns das Schlechte nicht weh ?
Gott!!! Wer / Was bist Du!?
Fällt der Apfel nicht weit vom Stamm ?

Ende Gedicht.

Harte Nüsse, das ALLES.
Wo Wir doch Alle in einem See aus Worten erLeben, wie Wir auch Alle in einer Wolke aus Gas erLeben, ohne die eine Sprache ja gar nicht möglich wäre. Ohne die schwingenden Gas-Partikelchen, die sanft (meist) unsere Ohren benetzen, oder im Besten Fall die Bildschirme zieren. Sprache braucht Gas, um da zu sein. Auch wenn Wir das alles Luft nennen. Uns Luft-Wesen; oder wollen Wir zurück ins Wasser: Wasser-Wesen sein?

Harter Tobac, das mit dem Glauben und dem Vertrauen, so wenig Verlass darauf. So wenig Verlass auf überhaupt IrgendEtwas, Alles noch so verschwommen Gläubig.
Und das Sprache mittendrinn. So verlässlich. Unzuverlässlich. Ich glaube das Sprache fast Alles. Noch. Aber Es - das Sprache - ist mir noch zu nah, viel zu nah, um Es klar und gar abschliessend beurteilen zu können.

Mensch!? Mensch, was könnten Wir alles fühlen und spüren und tun und lassen, wenn das Glauben etwas weniger felsenfest oder auch zu verschwommen / undeutlich ist?

Was, wenn auf einmal ALLES klar ist, was ist?
Na, dann wären Wir nicht mehr.
Mensch-Sein = UnKlar-Sein.
Ist doch so, oder?

Mittwoch, 3. April 2013

Philosophisches um Slavoj Žižek

Manche aufrüttelnden Ereignisse verschwinden viel zu schnell in irgendwelchen RaumZeit-Spalten. So wie manche interessanten aufrührenden Gespräche im Archiv verschwinden.

Um eines davon zumindest für mich und die Leses meiner Blogs noch etwas obenzuhalten, habe *ich nun eines abgetippt, weil es im Internet nicht zur Verfügung gestellt wird, weil ...?
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Fröhliches Sit in, am 21. Juli 2014.
Ist das Schild zu lesen? 
.
Aus der Süddeutschen Zeitung, vom 06.03.2013.
Ein Gespräch mit Slavoj Žižek (mehr zu diesem Menschen finden Sie mit anderem auch hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Slavoj_Žižek).
Gesprächspartner von der Süddeutschen Zeitung ist Jan Füchtjohann.

Titel: "Dies ist eine gute Zeit für Philosophen"

Untertitel: Die revolutionärste Handlung ist immer noch das Nachdenken: Slavoj Žižek, umstrittener linker {schöne Schublade. Wissen Sie, was da alles drinn ist, was also in der Linken so enthalten ist, was in der Rechten fehlt? Aber gut, *ich passe, also ein linker} Gegenwartsanalytiker, über den Kapitalismus in der Krise, das Pathos der Befreiungsträume, Gangnam Style {?} und die fröhliche Ausweg-losigkeit der Lage.

{welcher Lage?; und Wo? Na, das wird wohl später etwas klarer, hoffe *ich}

Vorwort: Der Mann ist ein notorischer Problembär: schnaufend, schniefend und schnüffelnd haut er regelmässig Pointen aus dem Zottelbart wie die, nachträglich betrachtet, sei Hitlers grösster Fehler ja wohl dessen mangelnde Gewaltbereitschaft gewesen. Trotz dieser ständigen Koketterie mit dem Unkorrekten und der frivolen Frechheit, kanonische Texte wie Hegels "Phänomenologie des Geistes" mit Hilfe von Lady Gaga zu erklären, sollte man Slavoj Žižek aber nicht als Clown abtun. Dazu ist der Slowene, der von Buenos Aires bis Paris die Hörsäle füllt und am Birkbeck College in London lehrt, einfach zu interessant: Sein Wahnsinn ist der des Denkens selbst.

{Darf *ich anmerken, dass die Vorbemerkungen unpassend und anmassend sind?}

SZ: Herr Žižek, Ihr neues Buch heisst "Das Jahr der gefährlichen Träume". Was für Träume meinen Sie?

Slavoj Žižek: Vor allem geht es mir um die grossen Träume von der Befreiung, von "Occupy Wall Street" bis zum arabischen Frühling. Ich will das Versagen der Linken beschreiben. Traditionell hat die europäische Linke doch immer gesagt: Warten Sie ab, bald gibt es eine Krise, dann sind wir dran.

{Merken Sie auch, wie sehr dieses Krisenhafte in der Lebendigkeit verankert ist, so sehr, dass auch wir Menschen es geradezu herbeisehnen, wenn es nicht die "Linke" ist, kommt bestimmt die "Rechte" und sehnt eine Krise herbei, um ..., genau, um zu "verändern" (zurück?), um umzuwälzen, was gerade so Da ist (DaSein).

Ohne Krise kann die Lebendigkeit scheints nicht wandeln, dazu ist die Beharrlichkeit in der Lebendigkeit zu stark. Sie wissen, ich richte den Blick etwas aus der Menschheit heraus und möchte auch die MitLebewesen in die Betrachtungen miteinbeziehen, deshalb verwende ich den Begriff "Lebendigkeit", als Begriff der alles »genetisch Fortpflanzende« innerhalb der Natur beinhaltet.

Denn auch die anderen Formen und Strukturen der Materie und der Strahlung sind in einem beständigen Erneuerungs- und Weiterentwicklungsprozess, der allerdings nur wenig vergleichbar mit dem der irdischen Archaea, Einzeller und Mehrzeller (Bakterien, Pilze, Viren) Pflanzen und Tiere ist - also aller zellulären LebensFormen.

Jetzt ist das Frage. Braucht auch das nicht-Lebendigkeit zum Weiterentwicklung jeweils ein Krise? Also ein Zustand des ungesunden Anspannung, dem masslosen Übertreibung, dem allgemeinen Verängstigung, dem vielfachen Verzweiflung, dem gewalttätigen Überforderung - hab ich was vergessen? - und dem vielfach tödlichen und verletzenden [Er]Lösung des Spannung in einem zittrigen Schritt, das bisher fast immer in dem nächsten Krise gelandet ist.

Wie geschrieben, das ist keine nur-menschliche Handlungsart (von "-weise" ist das ja wohl noch einige Meilen entfernt, oder sollte ich diese Handlungsabfolge der Natur, des DaSein als Weise einordnen, ich weiss nicht?) es ist eine Prozesshaftigkeit, die in der Evolution selbst fest integriert wird: Die Weiterentwicklung des DaSein, also die einzelnen "Schritte" sind jeweils Krisen. Eine Krise zeugt die nächste Krise u.s.w.u.s.f bis ...? Bisher ist das überwiegend so. Bis zum Tod.

Das Tod als Er- oder AufLösung, Beendigung des/r Krise/n.

Die Lebendigkeit ist noch ein ziemliches Kreischen und Krächzen im SEIN, die Phase und die Amplitude des DaSein sind alles andere als harmonisch, das ist vielleicht ein Gewackel und Gezänk, Interferenzen (Tod und Leben?) in Massen. Soll das so bleiben? Das vermag doch Selbst ein so winziger Wellenschaum, wie Jedes irdische Lebewesen es ist, inzwischen zu erfragen: Muss das so bleiben? So Krisenhaft? So Gewalttätig und so Ignorant? Aber die weitere Befassung, mit diesen so umfangreichen Fragen, heben Wir uns für ein wenig später auf. Zurück zu dem Gespräch, ich hab etwas den Faden verloren ... ach ja: das Versagen der Linken bis zur nächsten Krise}

Jetzt ist Krise, aber wer wirklich überhaupt keine Antworten hat, ist die Linke. In ihrem Köcher steckt nur ein bisschen moralistische Kritik: Dass man die Gier der Banken bremsen und die Vermögen der kleinen Leute vor der Spekulation schützen muss und so weiter. Wir stehen vor völlig neuen Problemen, und die kommen mit ein paar aufgewärmten Rezepten von Keynes.

{In welche Schublade wurde Slavoj Žižek von der SZ, oder auch nur dem SZ-Gesprächspartner, gesteckt? Links? Links, für unkonventionell, für solidarisch, für klein-geistig, für Statusschädlich, für Privilegienfeindlich (nur alten Status und Privilegien selbstverständlich!), für mehr Gleichwertigkeit, für mehr Stadtluft und weniger LandLust, für Grenzauflösungen, für Machtabbau ..., was darin ist falsch und was fehlt?

Also gut, ich zweifelte gerade etwas an der Schublade, in die Slavoj Žižek da gesteckt wurde, aber vielleicht steckt Er ja doch noch drinn, drängt aber nach einer anderen Gewichtung des Inhalts. Ach ja, die Schubladen, die Klischees, die Vorurteile und Aburteilungen und die Abschätzigkeit und andere EinKreisungen oder EinGrenzungen (EinHäutungen) haben schon etwas, machen schon Sinn.

Die Natur braucht das, wozu gäbe es sie sonst, die Grenze, die Haut, allgegenwärtig im DaSein? Jed-Es steckt darIn und ist eine / Viele (wie auch das Mensch: um jedes Atom schwingen Elektronen, um jede Zelle eine Membran aus Lipiden und eingelagerten Proteinen, und um das ganze Lebendige die Haut aus Zellen und ..., was ist mit der Aura? Die im Islam übrigens den Schambereich des Menschen bezeichnet. Mit der Besonderheit, dem winzigen bisschen Verschiedenheit, das jedes Einzel-DaSein kenntlich macht in dem "Meer" aus Partikeln, die das DaSein ist. Die Scham oder auch die Aura? Was ist damit?) und will zu und in eine "weitere" Haut / Grenze gehören!
Ist Slavoj Žižek ein Linker?}

[...]

SZ: Wusste die Linke denn früher genauer, was sie wollte?

Slavoj Žižek: Nein

[...]

SZ: Wenn die Linke so ein Reinfall ist, warum nennen Sie selbst sich dann einen Kommunisten?

Slavoj Žižek: Wenn ich mir anschaue, wohin die Geschichte gerade steuert, bin ich ein bisschen besorgt. Ich sehe einen schrittweisen Trend zu immer undemokratischeren Gesellschaften: Das Modell für die weltweite Zukunft ist eher Dubai oder Singapur als die alten europäischen Sozialdemokratien. Wenn Sie dort waren, dann wissen Sie, dass in diesen Gesellschaften trotz allem Reichtum etwas fehlt: ein bestimmter, europäisch-westlich geprägter Begriff von Freiheit.

{Und jetzt folgt nicht etwa die Frage von Herrn Füchtjohann, was denn diese europäisch-westliche Freiheit beinhaltet, Nein.

Zum Beispiel auch die Freiheit zur Ausbeutung, die Freiheit zur Bildungsverweigerung - gerade so das nötigste, um im Kampf der Nationen und Regionen den Kopf etwas höher zu halten -, die Freiheit zur Obdachlosigkeit, die Freiheit zur Arbeitslosigkeit, die Freiheit zur Rechthaberei, zur Korruption, die Freiheit den Rest-Planeten leerzukaufen und leerzufressen, die Freiheit das Votum [je]des Einzelnes für Dumm zu verkaufen. Fallen Ihnen noch ein paar mehr europäisch-westliche Freiheiten ein, die wir europäisch-westlichen dem Rest des Planeten, die wir europäisch-westlichen Menschen den anderen Menschen voraus haben?

Ach ich liebe einfach Klischees und Schubladen, es ist so wundervoll, darin so schön eng zu kuscheln, das Macht einfach Spass, Spass Macht einfach; vereinfacht Spass die Macht? Also, was ist mit der Frage nach der besonderen Freiheit des Westens und der Europäer?

Urteilen Sie Selbst, hier ein paar Worte von Lee Kuan Yew, Premierminister in Singapur von 1959 -1990, und immer noch der einflussreichste Mensch dort: "If I were in authority in Singapore indefinitely without having to ask those who are being governed whether they like what is being done, then, I have not the slightest doubt that I could govern much more effectively in their own interests." In Deutsch etwa: "Hätte ich in Singapur die Macht und müsste die regierten Bürger nicht fragen, ob sie das, was gemacht wird, mögen, dann könnte ich ohne Zweifel viel effektiver in ihrem eigenen Interesse regieren."

Und auch: "Ein Übermaß an Demokratie führt zu disziplin- und ordnungslosen Bedingungen, die der Entwicklung schaden." Zu Deutschland meinte er in einem Gespräch mit den Teilnehmern der Wirtschaftskonferenz "The Hamburg Summit - China meets Europe", in 2004: "Vielleicht spüren Sie in Deutschland nicht mehr so stark wie wir die Sporen, wenn es darum geht, sich zu verbessern.", denn: "... die Welt verändert sich schnell, es gibt fleissige und hungrige Nachbarn, so dass man sich zwingend auch bewegen muss".

Von-s ich aus gesehen, hält Mensch das andere Mensch gerne mal für dumm oder übertreibt das Andere gerne auch mal zum Genie, was kaum Eines ist, wie auch kaum Eines dumm ist.
Mehr zu Lee Kuan Yew auch hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Lee_Kuan_Yew}

SZ: Fragen wir also mit Lenin: was tun?

Slavoj Žižek: Die Leute sagen: was können wir mit unseren bescheidenen Kräften schon tun? Ich frage mich dann immer, ob unsere Eliten eigentlich wissen, was sie tun. Seit den diversen Finanzkrisen habe ich diesen Eindruck zunehmend weniger. Es gibt ja bis heute viele Linke, die an eine Verschwörung glauben - irgendwelche Geheimgesellschaften, die sich zweimal im Jahr zwischen Wall Street und Washington treffen und über die Zukunft der Welt entscheiden. Langsam wünsche ich mir, dass es solche Geheimgesellschaften wirklich gibt - dann gäbe es wenigstens irgendwen, der weiss, wo es lang geht.

SZ: Nochmal im Ernst

{Was war da im Vorfeld UnErnst? Mehr und mehr zweifle ich an der Fähigkeit des Herrn Füchtjohann aus dem Zustand der Ironie und der damit verbundenen Ablehnung und Anmassung auszusteigen.}

: Sind denn alle Revolten vergeblich? Die Ägypter zum Beispiel - erst sind sie Mubarak losgeworden, jetzt haben sie zur Strafe das Militär und die Muslimbruderschaft.

{"... losgeworden ... zur Strafe ..."? Was hätte ein aufrichtiger und souveräner Gesprächspartner mit Slavoj Žižek für Höhen erklimmen können, so ist es leider stets an Herrn Žižek wieder aus den UnTiefen herauszusteuern.}

Slavoj Žižek: So etwas sagen nur Zyniker. Ägypten geht es heute besser als früher, trotz aller schlimmen Geschichten. Die Rebellion hat die Zivilgesellshaft wiederbelebt: in den Universitäten, den Gewerkschaften und Familien - der Kampf wird weitergehen.

SZ: In Europa und den USA sind die Proteste aber weitgehend vorbei, ohne nennenswerte Ergebnisse. 

{"... ohne nennenswerte Ergebnisse." Da ist der Wunsch wohl "Vater" der Gedankens, und ich höre da ein etwas verspanntes Ausatmen heraus: also noch einmal einer [notwendigen] Veränderung entkommen zu sein?}

Slavoj Žižek: Occupy war für mich nur der Anfang. Es gibt keine Ergebnisse, weil es kein klares Ziel gab: "Stoppt den Afghanistankrieg" etwa. Stattdessen ging es um die grundsätzlichen Fehler in der kapitalistischen Weltordnung. Und indirekt auch darum, dass die parlamentarische Demokratie nicht stark genug ist, diese Fehler zu beheben. Auf dieser Basis kann man doch anfangen nachzudenken. Das ist wie bei Obamas Gesundheitsreform. In der Praxis wird davon nicht viel übrig bleiben. Trotzdem hat er eine Diskussion begonnen, die an die Wurzeln der amerikanischen Ideologie rührt: an die Idee der Wahlfreiheit, der Freiheit von staatlicher Intervention. Das ist doch eine grosse Errungenschaft.

{Ein anderer Gesprächspartner - verzeihen Sie, dass ich darauf herumreite - hätte jetzt vielleicht angemerkt, dass auch die Freiheit eine Spanne ist, eine ziemlich grosse Spanne sogar, die von Mensch zu Mensch verschieden ist, die aber mit den zur Verfügung stehenden [Geld]Mitteln und fundierter Bildung enorm wachsen kann.
So ist die "Wahlfreiheit" umso grösser, umso mehr Bildung und Mittel ein-Es zur Verfügung gestellt bekommt - und genau darum geht es doch, dass diese Voraussetzungen noch sehr sehr eingeschränkt werden und bisher nur sehr sehr sehr wenigen Menschen und Menschen-Gruppen in ausreichendem Másse zur freien Auswahl gegeben werden, oder?}

SZ: Sie selbst haben die new Yorker Occupy-Bewegung bei Ihrem Besuch dort ziemlich scharf kritisiert.

Slavoj Žižek: Inhaltlich war ich überhaupt nicht einverstanden. Dieses ganze Gerede von wegen: "Wir brauchen keine Anführer, wir sind die Multitude (eine Erklärung für diesen Begriff finden Sie auch hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Multitude) ..." - das ist totaler Mist. Was die Linke braucht, ist genau das: eine zentrale Macht und einen charismatischen Chef. Die haben mir ständig irgendwas über Venezuela zu erzählen versucht, wie toll sich die Arbeiter da selbst organisieren und so - ist klar, aber da gibt es ja auch einen Oberboss namens Cháves . Und dann diese ganze Poesie der "lokalen Selbstorganisation": Den Klimawandel werden sie sicher nicht zu zweit vor Ort in Oberammergau stoppen - was sie dafür brauchen, sind riesige Organisationen.

{Herr Hugo Cháves ist inzwischen gestorben. Er ruhe in Frieden.
Was die zentrale Macht und den Oberboss angeht, bin ich anderer Meinung. Mir erscheint es fast ein wenig schizophren, dass Herr Žižek der ägyptischen Gesellschaft die "zivilisierte" Weiterentwicklung ohne feste Autoritäten zutraut, der Welt-Gesellschaft aber eine Führerschaft vorsetzen will? Nein, es braucht weder eine/n FührerIn, noch Geheimgesellschaften, noch Eliten, die sagen / zeigen, wo es für uns Alle weitergehen soll, sondern es braucht das Ernst[An]Nehmen der Bedürftigkeit und der Bedürfnisse jedes einzeln-Es (z.B. ein Mensch); des Mangels allen DaSein und der Fülle, die Uns zur Befriedigung der anerkannten Mängel zur Verfügung steht, dann werden wir Alle für Uns, und eine Uns [an]genehme Richtung und Weiterentwicklung, entscheiden.
Das Ziel ist doch gerade die Aufhebung der Zwänge, also weiterhin EinzelInteressen und SpezialBedürfnissen - Willkür - folgen zu müssen, auch wenn diese in allen von Uns schlummern und drohen und [über]fordern, also natürlich und menschlich sind.
So sind es bei genauer Betrachtung und Befühlung eben nur (NUR!) SonderInteressen, geboren meist (*ich bin da noch vorsichtig, obwohl *ich formulieren möchte: stets) aus Unsicherheit, Orientierungslosigkeit und fehlender passender Einordnungen in das Ganze (auch das Ganze Selbst (= 1 Mensch)), also aus purer Verängstigung.
Aber zurück zu dem Gespräch.}

SZ: Was halten Sie von dem Wunsch nach einer aktiven Bürgerbeteiligung?

Slavoj Žižek: Das ist ein verdammter Albtraum. Jetzt, wo ich alt werde, habe ich grossen Respekt vor dem Wunsch, sich nicht dauernd mit Politik beschäftigen zu müssen. Dass jeder sich an allen Entscheidungen beteiligt, funktioniert nur für kurze Zeit und in Ausnahmesituationen. Sie wissen schon, diese ganze pathetische Nummer: "Wir standen zusammen mit einer halben Million Menschen auf dem grossen Platz und hatten alle Tränen in den Augen" - das ist ja schön. Aber der wahre Test für eine Revolution kommt ein paar Tage später, wenn die Normalität zurückkehrt. Den Alltag zu verändern, ist eine viel schwierigere Aufgabe.

{*ich widerspreche vehement: siehe oben

SZ: Jetzt klingen Sie fast wie Bill Clinton, der sich auch immer konkrete Vorschläge von Occupy gewünscht hat.

Slavoj Žižek: Das war doch ein typischer Clinton-Trick - die tödliche Umarmung. Wir brauchen heute gerade keine konkreten Vorschläge, was uns fehlt, sind die Worte. Was ist zum Beispiel in China los? Ist das bloss eine neue Stufe des autoritären Kapitalismus oder etwas völlig Neues? Und welchen Einfluss werden die Erkenntnisse der Biogenetik auf unsere Ethik haben? Sobald Sie heute zu irgendwas Stellung nehmen, stehen Sie knietief in philosophischen Fragen?

{Jetzt weiss ich, warum *ich dieses Gespräch mühevoll abtippe. Und mit meinen Gedanken und Einwänden ergänze. Genau wegen diesem Befund. Und wegen der Feststellung: "..., was uns fehlt, sind die Worte." Die hilf[weit]reichen Antworten und passenden Worte zu finden, darum geht es Uns und darum geht es auch mir, hier.}

SZ: Früher hat die Linke ja immer behauptet: Wir wissen, was los ist, wir kriegen nur die Leute nicht auf die Strasse.

Slavoj Žižek: Heute ist es genau andersherum: Die Leute auf die Strasse zu bringen, ist vergleichsweise leicht, das ist übers Netz schnell organisiert. Nur was los ist, versteht leider kein Mensch.

{Was für ein galliger Befund. Die "Leute" gehen gerne auf die Strasse und auf Plätze, stehen dort Tränenreich, also Gefühlsduselig (?) herum, aber - wie schon Jesus während der Kreuzigung (NT, Lukas, 34) anmerkte: "Vater, vergib Ihnen, denn Sie wissen nicht, was Sie tun". Kaum sind also zweitausend Sonnenumkreisungen geschehen, so ist doch nur wenig mehr geschehen, als diese zweitausend mal der "Flug" des Erde-Mond um das Sonne, oder?}

SZ: Leben wir also in der "Endzeit", wie der Titel eines Ihrer Bücher behauptet?

Slavoj Žižek: Nun, das haben fast alle Philosophen immer behauptet. Und dann dieser schreckliche Hölderlin-Satz: "Wo aber Gefahr ist, wächst das rettende auch". Sogar die härtesten Kommunisten haben erwartet, dass eines Tages die wirkliche und echte Revolution kommt. Ich halte es in dieser Hinsicht eher mit Hegel: "Wir leben in schwierigen Zeiten, und es gibt überhaupt keinen Ausweg". Eine fröhliche Einsicht.

{"... dieser schreckliche Hölderlin-Satz ..."? Naja, aber klar doch: "... es gibt ... keinen Ausweg." Hihihi, da lacht der Nihilist, da ist der Optimist erschrocken und der Pessimist raunzt: "Sag ich doch!" Und Oliver-August Lützenich, was fühl *ich dabei? Hölderlin und einen schimmernden Sonnenaufgang, zumindest die Stimmung kurz davor, ein Glimmen über dem östlichen Horizont.}

Bis hierhin die Auszüge aus dem SZ-Gespräch.
Es geht noch weiter, aber das habe *ich in einem weiteren Beitrag verarbeitet (im 2.Teil. Den finden Sie hier: http://sprechlichtung.blogspot.de/2013/04/philosophisches-um-slavoj-zizek-2teil.html, oder etwas weiter oben, hier im Blog-Archiv vom April 2013), dieser hier ist schon so umfangreich genug.

Herr Füchtjohann möge *mir die persönliche Kritik verzeihen; *ich werde jede Erwiderung hier sofort einpflegen.
Danke für Ihr Interesse. Bis bald.