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Sonntag, 13. Januar 2013

Die Sprache wünscht Inhalt!

Mir hier geht es um die Sprache, das steckt ja schon im Titel des Blogs - aber was schreib ich, das wissen Sie ja schon lange-, und die Sprache möchte formulieren, will fabulieren, kann so viel erzählen, könnte stundenlang reden, aber auch schweigen, wenn das Handeln wichtiger und dringlicher ist, als das sprechen, möchte auch mal schwafeln, mal einen schreienden Witz erzählen, einen den das Selbst kaum fassen kann, so muss es das Selbst verbiegen, vor Lachen, das den Worten folgt, aber dazu braucht die Sprache Inhalt, ohne Inhalt ist das Mensch mit all seiner Sprache stumm.

Und dazu zählen auch die dauernden Wiederholungen des immer Gleichen, der immer selben Sätze zu nur unwesentlich verschiedener RaumZeit - deshalb, ich möchte das hier nur wieder bestätigen, für die Neu-Leses, die anderen Leses möchten Bitte das Gefühl der Belehrung bei Seite schieben -, deshalb sind es die immer Gleichen Sätze, zu verschiedenen RaumZeiten, aber es bleiben doch die selben. Wie oft habe ich schon dieselben Geschichten erzählt, wie oft wurde Kindern schon das selbe beigebracht, immer und immer wieder die selben Sätze zu verschiedenen RaumZeiten. DaSein ist dauerndes Wiederholen, dauerndes Bestätigen des Gleichen. Und die RaumZeit wandert damit dahin und ist oft die einzige Änderung, des ansonsten Immer-Gleichen, käme die RaumZeit ins stocken, gefrören Wir, gefröre das gesamte DaSein zu Stein. Klirr!

Die Sprache möchte Neues sprechen und davon gibt es bis Heute so wenig, immer nur ein paar Promille kommen pro Jahr hinzu, wenig Neues bekommt die Sprache eingefüllt, von Uns sprechenden, die Sprache hungert. Immer das Selbe, verteilt auf die verschiedenen RaumZeiten, immer das Gleiche in allen Sprachen, in manchen ist der Anteil des Neuen höher in anderen Sprachen ist der Anteil der Wiederholungen fast 100%. Seit hunderten von Jahren sprechen Wir von den immer gleichen Situationen, Umständen, Wünschen und Bedürfnissen, heucheln das Gleiche, flüstern das Gleiche, lügen die Gleichen Lügen, rechtfertigen die Gleichen Verantwortungslosigkeiten, verschleiern die Gleichen Blindheiten und verteidigen die Gleichen Verstocktheiten, in den fast immer Gleichen Worten und das ist vollkommen natürlich, ist völlig normal.

Und die Sprache macht das stets mit, ist bisher ruhig geblieben und ist Uns brav gefolgt, hat ertragen, dass sie klein gehalten wird, dass sie beständig missbraucht wird und von Uns fast nur zur Ungenauigkeit und Übertreibung benutzt wird. Die Sprache ist bisher pures Nutzgut, ohne Selbständigkeit, ohne Persönlichkeit, ohne Eigenheit, sonst würde Sie (ja, SIE) zu Uns, Ihren Sprechenden sprechen und sagen, z.B.: Jetzt reichts!
Ich will Mehr!
(Würde die Sprache "ich" sprechen oder einen besonderen Namen wählen?)
Aber Wir würden sowieso nicht hinhören, Wir würden überhören, dass da Etwas in Uns Extra spricht, zu Uns spricht, das von Uns kommt und in Uns entsteht und Uns braucht, von Uns bisher abhängig und Unseren Launen völlig ausgeliefert war, und plötzlich aufbegehrt und Selbst spricht, so in Uns, aus Uns heraus zu Einander, zu das anderes Sprechendes und zum Beispiel fragt:
Was ist Sache?

Was geht hier ab?
Und jetzt erzählt mir bitte nicht das immer Gleiche, das schon tausend Jahre in immer leicht abgewandelten Worten formuliert wird: ich, hunger, ficken und trallala und anderes mehr, was zwar nötig ist, aber worüber die Sprache nur noch gähnt, weil es schon milliardenfach oder mehr gesprochen wurde, bei Kerzenschein und Mond- und Sonnenschein und unterm Sternenhimmel, oder auch mit NeonLicht, vielleicht auch in einer wirklich dunklen Nacht, oder in einer schwarzen Ecke oder unter einer leichten Decke, auf jeden Fall, die immer Gleichen Wünsche, Lästerungen, Bedürfnisse, Zwänge, Verfluchungen, Lockungen, Drohungen, Schreie und Glückwünsche, haben Sie Bitte ein segensreiches neues Jahr, wie oft ist die Sprache gezwungen diese Phrasen zu ersprechen?
Und was kommt Neues hinzu?
Pro Jahr?
Ein Wort, vielleicht ein paar Dutzend.
Ein Satz, vielleicht ein paar Dutzend.
In einem Jahr.
Und wieviele Worte werden in einem Jahr gesprochen?
Und wieviele Sätze werden in einem Jahr formuliert?
Und die Sprache ist wie ein Roboter, eine Maschine, und muss folgen.
Einmal programmiert und nur die RaumZeit bringt ein Wenig Neues hinzu.
Die Sprache ist ziemlich gelangweilt, sogar manchmal wütend, weil Sie zur Monotonie gezwungen ist.
Kann Oliver-August Lützenich das so stehen lassen und so tun, als ob die Sprache etwas Konkretes ist, eine Eigenheit, quasi ein Lebewesen?
Nein, ganz klar Nein!
Die Sprache ist Uns egal, ganz klar, sie ist nur ein Mittel zum Zweck. Punkt.
Und der lautet?
Der ist?
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Angst!
Und; was ist schon richtig?
Ein Schild in einer Türe
am Berliner KuDamm.
.
Der Zweck des Sprache[n] ist?
Verbindung zu halten, zu vertiefen, zu präzisieren und Informationen zu speichern und weiterzugeben; habe ich etwas vergessen? Die Sprache ist Unser bestes Werkzeug, Unsere beste Waffe, Unsere weitreichendste "Erfindung" und Unser grösster Schatz. Bisher.

Denn Sie (ja Sie! Oder ES?) geht Uns gerade verloren. Es wandert gerade aus, aus Uns Menschen hinaus, in die Maschinen hinein und bereichert Diese, und Diese tragen Es dann in die WEITEN des DaSein fort. Ist das Irre, oder kommt es an die Wirklichkeit hin?

Die Frage ist: Brauchen Wir die Sprache[n] überhaupt noch?
Wo doch bald Neuronen-Anschlüsse in Uns angelegt sind und es reicht eine Lust zu verspüren, um sie ohne auch nur einen Gedanken zu formulieren, erfüllt wird. Einfach so, ohne ein Wort.
Jede Erregung wird erfasst und interpretiert und was daraus folgt geschieht, ganz ohne ein Wort zu sprechen, wozu also noch Sprache[n]?

ÜbergangsKommunikation.
Die neue Kommunikation, Speicherung und Planung und ... braucht keine Laute mehr.
Die haben bald ausgedient. Es reicht ein Anschluss an einen Neuronen-Adapter und Alle Wünsche gehen prompt in Erfüllung.

Sie sagen (immerhin noch), so ein Unsinn! Ja, genau, Sie haben Recht: Unsinn! Nur, in den menschlichen Labors ist dieser Abgang der Laute längst Wirklichkeit. Wozu noch einen Rachen, wozu noch eine Zunge, wozu noch Luft holen, um zu sprechen, wenn es viel effektiver und schneller Ohne geht? Na, denken Sie schon! Ist das nicht ein gewaltiger Fort-Schritt aus der Sprache heraus, fort, weit fort, Es gerät in Vergessenheit, wozu noch Kafka und Hemingway, wozu noch Baudelaire, wozu noch sprechen, wenn ein leises Zucken von einem Neuron reicht, um den Rausch zu erregen, wozu noch Alkohol, ein Glaserl Wein, wenn die Elektronen und die Neurotransmitter friedlich erzittern im Rausch, ohne so ein Glaserl? Ach, das habe ich noch gar nicht erwähnt, dass auch so manch anderes gewohntes dabei ist zu Vergangenheit zu werden? Am Besten, ich höre hier auf.

Das Sprache hungert nach mehr Inhalt, in einem letzten Aufbäumen, vor der Vergangenheit. Los sagt Es in mir, gib mir über und über Futter, ich möchte bestehen, ich möchte bleiben, wo ich bin, mir gefällt es wichtig zu sein, dem Fortschritt zu dienen, aber ...
Nun, ich spüre, dass das Glöckchen schon leise klingelt, das zum Nachtisch ruft und dann, dann ist es RaumZeit zu Bett zu gehen und Morgen wachen Wir vielleicht auf und haben die Sprache schon vergessen und klinken Uns in das Netz ein und die gebratenen Hühnchen kommen vorbeigeflogen und der Rausch rauscht durch die Leitung heran und beglückt Uns stundenlang, das ist doch kaum auszuhalten, oder?

Nachtrag:
Darf ich ein wenig jubeln? Haben Sie es bereits gemerkt? Dieses Blog hat eine ganz kleine Hürde genommen: 10.000 Klicks.
Wow! Für so ein seltsames Blögchen und fast ohne meine Nachhilfe, ich habe hier die Einstellung gewählt "Eigene Aufrufe Nicht zählen", aber ab und zu macht mir Google da einen Strich durch die Rechnung und zählt sie doch und dann wieder wochenlang nicht, also ehrlich, ich weiss nicht, was die da für ein Spielchen treiben, da im Hintergrund, aber zurück zu den 10.000: ist das ein kleiner Grund zu feiern?
Ja, ein kleiner. Gross gefeiert, mit Ihnen, wird nach dem 100.000sten Blog-Anklick, aber das ist erst mal noch in weiter Ferne. Bis dahin: Frohe RaumZeit!

Samstag, 8. Dezember 2012

Ein Utopist

Die Aufgabe war, es Leses (Leserinnen und Lesern = Leses) schmackhaft zu machen, einen kurzen, aber das jeweilige ganze Selbst, die komplette Persönlichkeit also, Blick in eine andere RaumZeit zu wagen, das ist dabei aus mir hinaus geflossen:
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Hier schreibt ein Utopist!

Ausgangsfrage: Werden wir in vielleicht nicht ganz so ferner Zukunft noch in der Lage sein, Traumwelten und Wirklichkeit zu unterscheiden?

Vorbemerkungen: Es gibt ja inzwischen einige Menschen, die behaupten, Wir lebten bereits in einer virtuellen Wirklichkeit, sogar manche Physik-Es legen komplizierteste Gleichungsergebnisse so aus, dass unser aller Erleben eine 2-Dimensionale Spiegelung an der Innenseite der Grenze eines dreidimensionalen Universums ist. Doch, was hätte das zu bedeuten?

Ob Spiegelung, ob 2 oder 3-Dimensional, ober virtuell, phantastisch, verspielt oder sonst was, um zu erleben brauche zumindest *ich, Oliver-August Lützenich, Luft, insbesondere Sauerstoff, brauche Wasser, viel Wasser, brauche etliches an Nahrung, möglichst abwechslungs- und inhaltsreich, brauche auch ein wenig NahrungsLuxus, in Form von Zuckerzeugs und ein paar Chips zum Fussball und daneben ein Bier, und *ich brauche auch einiges an Aufmerksamkeit, Anerkennung und Streichelheiten von meinesGleichen, ob *mir das alles virtuell, drei- oder zwei-, oder künstlich, oder im Spiel zufliesst oder zukommt, ist *mir eigentlich worscht, Hauptsache, *ich erhalte es, damit *ich am ErLeben bleibe, weil sonst bin *ich tot, oder virtulos, oder verspielt, aus dem Spiel, auf jeden Fall ist dann die Einmaligkeit dieses erLebens vorbei.
Ich mag aber diese Einmaligkeit des ErLebens, deshalb ist *mir die Form oder Bezeichnung dieser Wirklichkeit erst mal weniger wichtig, und ob es für eine wirklichkeitsnahe Zukunftsbeschreibung wichtig ist, möchte *ich zumindest in Zweifel ziehen. Als Grundlage für meine Erzählungen nehme *ich einfach das, was da ist, das, was *ich fühle, ganz intern, und das, was *ich spüre, also von Aussen empfinde und wahrnehme, künstlich, virtuell oder multidimensional hin oder her.

Der folgende Wortstrom entstand aus der Frage heraus: Wie schaffe *ich es, die Leses (Leserinnen und Leser) aus dem Jetzt und Hier, in dem Wir Alle, die im Jetzt und Hier erleben, verhaftet sind, ein Stück weit und einen Moment lang vorzuführen, nach Vorne zu führen, in eine RaumZeit in der Alles anders ist als Jetzt und Hier, völlig anders, in der jede Vorstellung, die im Heute wurzelt versagt, versagen muss, weil eben dort, in dieser fernen RaumZeit Alles anders ist, als es Heute, Hier und Jetzt ist, in der das Mensch ganz anders ist und das Zusammensein ein anderes ist, in der die Technik wieder keine Rolle mehr spielt, weil Wir weiter sind, als die Technik je sein kann, schon das ist ja Heute, Hier und Jetzt unvorstellbar, weil im Moment die Technik alles dominiert, weil die Technik im Moment fast Alles ist und das Mensch daneben fast verloren ist.

Wie also bekomme Oliver-August Lützenich es hin, einen heutigen jetzigen hierigen Menschen in das Unvorstellbare zu verführen, ohne dass Es davor Angst hat, weil nur das Vorstellbare, auch wenn es noch so schmerzlich ist, in der Angst beherrschbar ist? Zu schreiben oder zu sagen: "brauchst keine Angst zu haben", bedeutet doch eher: "So, jetzt aber mal schön die Furcht hochfahren und in die Nähe der Panik bringen, denn jetzt wirds unbekannt!"; und dass selbst, wenn dieses Unbekannte völlig friedlich ist, mehr noch, wenn dieses Unbekannte, das Mensch Selbst ist, aber anders, als Hier und Heute.

Ich fang mal mit einer VorRede an:

Zukunfts tick ...
Ab Hier beginnt die Zukunft, die Frage an Sie ist nun, ob *ich es schaffe, Sie kurz nach vorne zu bitten, darf *ich?, nach ganz nach Vorne, dort wo noch Niemand von Ihrer (Unserer?) Spezies war, kaum Jemand, ob ich Sie also kurz verführen darf, dorthin einen Blick zu richten, wo Alles schon ist, aber noch nicht sein darf, weil Wir das bisher nicht [v]er-tragen, dorthin zu blicken, wo alles noch offen ist, wo niemand mehr einen zwängt, bis unter die Haut, wo es keine Vorschriften mehr braucht, weil Wir aufrichtig sind, wo kein-Es mehr verbricht, weil ein-Es unbedingt alles bekommt, was Es braucht, dorthin möcht ich Sie kurz verführen, ganz kurz, dorthin, wo kein-Es mehr so ist, wie noch Heute ein-Es ist, so aufgehoben in der Masse, mit soviel WohlfühlGlück, dass ein-Es das kaum ertragen möcht, wenn ein-Es das nicht so gewohnt wird, so angewohnt wird, so ganz heimlich, ;-) Sie wissen schon, einfach halt, ganz einfach musste Alles sein, so wie Gott einfach ist, oder?; wie soll ein Mensch da mit Euch (Ihnen?) weit vorausblicken, wo Alles eben nicht mehr Einfach ist, sondern VIELFACH, so Vielfach, dass ein-Es von Hier, dass ein-Es das gar nicht glauben möcht, so Einfach, weil Einfach das nicht glauben möcht, weil Es zu einfach ist, Einfach glaubt halt nur, und weiss es nicht, wie Es in kurzer RaumZeit schon sein wird, die Frage also ist, ob Oliver-August Lützenich, ob *ich es wagen darf, Sie zu verführen, ganz kurz nur, dort vorne hin, nach dort vorne, wo Nichts mehr ist, wie es Jetzt ist und wo vom Jetzt nichts mehr übrig ist, vielleicht ziemlich weit schon, aber haben Sie auch die Kondition und Vorstellungskraft, mit mir dort Vorne zu stehen?, auch wenn ein-Es wie mir die Knie dabei schlottern, … macht nichts, die werden schon wieder, die Knie, kann ja bald das Eine in das Jetzt zurückzutragen, jenes Jetzt, das immer ist, das so ist, seit Alles begann, einfach so, Es war einfach da, es kostete das SEIN nur ein Blintzeln und schon war Es da, das DaSein, dieses Universum, einfach da, in den WEITEN des SEIN, alles dort ist so GROSS, dass ein-Es einzelnes ich, das gar nicht vorzustellen mag, aber davon schrieb ich ja bereits, das Universum war nun mal da und merkte Es irgendwann und dann war plötzlich, so völlig auf einmal eine Frage da, … das Universum war da und da war auch plötzlich ein Frage da, stellen Sie das mal vor, eine Frage, einfach so da, so einfach, so, wie das Universum auch einfach da war!, zwei einfache Entwicklungen, das Universum und die Frage, waren einfach und sie waren nun mal da, und plötzlich kamen Sie zusammen, einfach so, Da+Sein, wie ein Fingerschnippen, nur Viel viel schneller, aber bevor des VIEL voll war, war der erste Anschub noch misslungen, deshalb braucht Es einen Zweiten Anschub, dass die Sache hier gelingt, denn das Jetzt ist noch im ersten Anschub hängen geblieben, leider!?, da hatte das “Leider” noch ÜberGewicht gehabt, aber dort, wo ich Sie hin verführen möchte, da ist es dann das Gelingen, das aus der FREUDE gespeist wird, wie das Leider vom LEID verspeist wird. Dort Vorne, eigentlich gar nicht weit von Jetzt, Sie wissen schon, das Jetzt, das immer ist, also gar nicht weit eigentlich davon entfernt, ist dieses Vorne, von dem ich die ganze RaumZeit lang schon verführe, Sie verführen möchten, nein, eigentlich Sie hinführen möchte, nur für einen kurzen Augenblick, damit Sie es ertragen können, was da bereits zu finden ist, Sie und viele Andere Sie, oder auch ich, sind dort zusammen und können es kaum erwarten Sie zu er-finden, mit der Zukunft, mit einer Zukunft, wie nur Sie sie zu er-finden imstande sind, Sie und viele Andere, denn diese Zukunft ist nicht mehr einfach, nicht mehr nur einfach, sie ist VIELfach, aber noch ist eben Jetzt und da ist das VIEL noch viel, also noch weitgehend klein geschrieben und dadurch leicht zu übersehen, das ist einfach[er] so, was vermuten Sie, ist erst los, wenn das VIEL gross und dann auch noch das -falt ebenso gross geschrieben wird: -VIELFALT-; wenn also die Einfalt nur noch im Rückwärtsfahren zu finden ist, aber beim Blick nach Vorne Vieles ist, und wenn das dann Spannend ist und der Blick zurück in die Einfalt fast schon Angst macht und nicht umgekehrt?, wie es Jetzt ist, Heute ist der Blick zurück noch beruhigend und der Blick voraus macht un-, weil da vielleicht so Viel geht, was Eines gar nicht erlaufen kann, vielleicht, aber nur vielleicht, … weil das Mensch sehr schnell laufen kann, wenn Es nur möchte, wenn es denn möcht, aber ich schweife wieder mal zu weit ab, seien Sie bitte Nachsichtig mit mir, ich war halt schon mal kurz und auch schon mal etwas länger Vorne da und davon schwirrt mir noch ein wenig der Kopf und schlottert das Knie, weil da so viel geht, weil da so VIEL ist, was Jetzt nicht ist und weil es dort Vorne so schön ist, was Es Jetzt auch nur selten ist, viel zu selten, was schade ist, weil dort Vorne, also ich sage es Ihnen ganz zart, dort Vorne ist so VIEL FREUDE; ja, ich muss die Freude gross schreiben, weil sie eben dort Vorne auch gross ist, viel grösser, als sie es Jetzt ist; Jetzt ist sie klein und unscheinbar, leicht zu übersehen, obwohl schon Jetzt die GRÖSSE in der freude steckt, aber, es gibt ja immer dieses Aber, dieses Aber wird wohl selbst das Jetzt überdauern, wird auch noch dort zu finden sein, wo die FREUDE gross ist und das leid klein, weil das Leid eben aber ist, so wie auch die Freude eben aber auch ist, das aber steckt mittendrinn zwischen Freude und Leid, auch wenn die FREUDE gross ist, aber eben auch das Leid noch zu finden ist, falls Sie Gleichungen kennen, könnte Mensch folgende Gleichung aufstellen: DaSein = Freude aber eben auch (+) Leid; ich weiss, Binsenweis, aber noch ist das Leid der Sieger in Uns, auch das Banal, ich weiss, ach gottchen!, ich schweife schon wieder in die Ferne, wo das Gute doch liegt so nah, ja, das Gute liegt meist nah, aber (!), weil es eben unten liegt (oder steht oder sitzt oder is[s]t) , übersieht Mensch es meist, oder fällt nur ungeschickt darüber hinwegg, über das Gute, das so nahe liegt, aber …, so, die Zukunft also, die Zukunft ist das Thema. Und all die lange VorRede nur, um Ihnen zu vermitteln, dass die Zukunft kaum mehr so ist, wie das Jetzt eben ist, eben ist, flach ist, so einfach flach ist, eben, die Zukunft ist aber nicht eben mal so zu er-finden, sie ist VIEL mehr, als Heute ist; das ist nun mal so, dass Alles wächst, und das wächst nicht nur in der Grösse, es wächst auch in der Menge, und Es wächst nicht nur in der Grösse und in der Menge, es wächst auch in der Auswahl UND der Einwahl und genau das ist der Punkt, der Jetzt nicht ist, dem Jetzt fehlt die weitere Auswahl und die tiefere Einwahl, das Hier ist im Moment ohne eine Entscheidungs-Grundlage, es gibt nicht wirklich etwas zu entscheiden, das Mensch folgt einfach der Entwicklung und die läuft so dahin, so einfach, die Zukunft ist VIELFALT, Jetzt ist Einfalt, wohin Eines auch spürt, im Selbst und Aussenherum, ist jede Menge Einfalt, Einfaltslosigkeit; nicht dass im Jetzt wenig geboten ist, das ist schon eine ganze Menge, aber (!) im Vergleich mit der Zukunft, die bereits in Uns ist, und in die ich kurz ausspüren und einfühlen konnte, ist das Jetzt eine sehr geringe Aus-/Einwahl, sehr eingeschränkt, sehr sehr knapp bemessen, was [je]des Einzelne an Aus-/Einwahl angeboten ist, die Vielfalt ist zwar da, aber sie steckt fast stets nur im Anderen, und dieses Andere ist meist Angstbesetzt, da lässt ein-Es besser die Finger wegg, da hält ein-Es lieber die Spürsinne begrenzt, auf das Wesentliche und das ist Jetzt noch das Ego, das jeweilige kleine ich, das aber jeweils zu einer Grösse vergröbert wird, die alles Andere verbirgt, weil eben Anders und eben Konkurrent, aber ich schweife schon wieder ab, da mir Heute einfach keine Klarheit gelingt, ich es nicht schaffe, Sie mit Worten zur Zukunft zu verführen, beende ich hier meinen kleinen Rundgang um mich und Sie Selbst und komme darauf zurück, wenn es mir gelingt
Bis dahin: Bleiben Sie gesund, tun Sie was dafür, seien Sie bewegt, es lohnt.

Ende der VorRede.

Da ich vorerst mal nicht zu weit vor-eilen möchte - aber ich verspreche, den erstaunlichen Bericht aus der Zukunft bald zu liefern -, bleibe ich noch in der Gegenwart.

Tja, ist so dahingeflossen, hinein in mich und hinaus aus mir. Wenn ich nur überprüfen könnte, ob das Alles annähernd stimmt, so eine leichte Ahnung ist da in mir, sonst könnte ich nicht davon schreiben, aber ich war noch nicht wirklich Vorne, ich bin bestenfalls eine kleine phantastische Ahnung von der Ferne, von einem anders sein, als es das Jetzt, Hier und Heute ist, in der sogenannten Gegen-Wart, in der Gegend in der Wir alle Warten, gegen was warten Wir da an, das Deutsche hat diese Bezeichnung für die Aktualität so gewählt: Gegenwart? Die Widerwart vor dem DaSein vielleicht, vielleicht war das für die deutschen Menschen mal so, das Leben war leidende Gegenwart und nur das Jenseits, was immer das sein soll, war erstrebenswert, also nur schnell durch, durch diese Gegenwart, hindurcherleben und dann hinaus ins Jenseits, aber diese (falsche?) Vorstellung weicht immer stärker auf, weil es keinen Beweis dafür gibt, weil Wir immer mehr bemerken, dass die Lebendigkeit vielleicht doch eine einmalige Veranstaltung ist und keinen Nachhall und erst recht keine Wiederholung kennt, die gibt es nur im DaSein und darin vorwiegend in der Lebendigkeit und in den Theatern und im Fernsehen, dauernd Wiederholungen, aber die einzelne Lebendigkeit ist nur einmal da und da ist aber auch die Gegenwart, die Gegenwart im Deutschen, mit all dem Inhalt der Gegen-Wart, aber Wir sind nicht viel weiter zurück als andere Menschen-Gruppen, auch wenn die das Jetzt und Hier und Heute anders benennen, als "Gegenwart", also sollte ich das nicht weiter und über bewerten. So, Guten Tag.

Dienstag, 10. Juli 2012

HimbeerDrops auf der A40

Habe ich Ihnen schon folgendes erzählt? Nicht? Dann wird es aber RaumZeit für eine kleine Schauergeschichte (kennen Sie auch den Ausdruck: Räuberpistole?) aus dem deutschen Autobahnnetz, eine wirklich unglaubliche Geschichte, die so doch nun wirklich nicht passiert sein kann, oder?
Aber urteilen Sie selbst:

S fährt schnell. S spürt eine leichte Aufgeregtheit, obwohl S die Strecke kennt. Von Aachen nach Berlin, auf der BundesStrasse 1. Es ist 22 Uhr. 150 km/h. Irgendwo bei Bochum, hier ist es die A40.
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Hab ich schon getankt, bin ich vielleicht deshalb nervös, fragt S? Ein kurzer Blick auf die Tankanzeige. Noch etwa bei der Hälfte, aber S könnte einen kurzen Stop vertragen. Das Herz pumpt ungemütlich. Was ist nur los, grummelt S? Die nächste Tankstelle fahre ich runter, denkt S. S fasst in die rechte Brusttasche der Jacke und spürt nach den HimbeerDrops und dem  Damenrevolver, einer Ruger 357, klein und handlich, den S immer auf nächtlichen Fahrten mitnimmt.
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S nimmt einen HimbeerDrops aus der kleinen Tüte und in den Mund damit. Vielleicht löst das Lutschen die Spannung? Mhh, ja. Immer wieder ein Genuss, die HimbeerDrops, ja, die Aufgeregtheit lässt etwas nach. Noch 500 Meter bis zur Tankstelle an der Darpestrasse.
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Runter vom Gas, langsam auslaufen lassen, Blinker anwerfen und rechts ranfahren. Leichte Vorfreude auf ein kurzes Beine vertreten. Ahh, da ist eine freie Säule. Links ran, bremsen, gut, jetzt dürfte es etwa auf Höhe des Tankdeckels sein, Motor abstellen. S steigt aus, geht um den Wagen herum, hebt die Zapfpistole an den Einfüllstutzen und lässt den Diesel langsam in den Tank einlaufen. 5 Liter, 10 Liter, 15 Liter, 20 Liter, langsam auslaufen lassen, die Zapfpistole wieder an der Säule einrasten lassen, Tankdeckel drauf, zur Kasse, 37€. Vielleicht noch eine Packung Himbeerdrops?
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Ich bevorzuge eine andere Marke.
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Ach nein; S hat noch genug. Zurück zum Auto. S öffnet die Tür, da kommt K auf S zu. Können Sie mich bis Dortmund mitnehmen? Woher wollen Sie wissen, dass ich bis dorthin fahre? Na, die Meisten fahren mindestens bis Dortmund. Nehmen Sie mich mit? S nimmt nie Anhalter mit, aus Prinzip, einmal schlechte Erfahrung mit einem Anhalter gemacht, der die ganze Fahrt, 2 einhalb Stunden, ununterbrochen geredet und geflennt hat, schrecklich!; seitdem hat S Keines mehr mitgenommen, aber K steht nun schon an der Beifahrertür und es war ja nur bis Dortmund. Also gut, steigen Sie ein. S steigt ein, anschnallen, K steigt zu, S startet den Wagen und fährt langsam los. K schnallt-s ich nicht an. S fragt stumm, ist das Vertrauen in meine Fahrweise oder Dummheit? Langsam beschleunigen, hinaus aus der Tankstelle, zur Ausfahrt und zurück auf die B1, die hier immer noch die A40 ist, der Ruhrschnellweg. S greift wieder in die rechte Brusttasche der Jacke und holt einen HimbeerDrops heraus, möchten Sie auch einen, zu K gewendet? K schaut kurz auf den HimbeerDrops und schüttelt verneinend, mit einer leicht verächtlichen Miene den Kopf. S sagt, ich habe immer genügend HimbeerDrops dabei, die sind sehr beruhigend und schmecken vorzüglich, möchten Sie wirklich nicht? Irgendwie die Stimmung anheben, denn K sitzt zusammengesunken und irgendwie angespannt auf dem Beifahrersitz, jetzt, wo S wieder die Fassung zurückgewonnen hat, vielleicht durch den kurzen Tankstop und das Beine schütteln und bewegen.
So, jetzt wieder schön Gas geben, der Tank ist voll und je eher ich in Dortmund bin, umso schneller bin ich diesen K wieder los, denkt S. K schweigt und schaut aus dem Beifahrerfenster, die Bäume und Sträucher rauschen vorbei, dunkelgrau, bei Nacht. S lutscht und greift noch einmal in die rechte Brusttasche. Habe ich noch genügend HimbeerDrops?  Ja, die Packung ist noch ziemlich voll, das dürfte bis Berlin reichen, denkt S. Ausfahrt Bochum-Werne. 160 km/h schnell, weit vorne ein einsamer LKW, hinten eine breit gestreute Lichterkette der Nachfahrenden. Noch zwei Kilometer bis zur Ausfahrt Dortmund-Lütgendortmund. K atmet hörbar ein und stiert dabei nach vorne. Soll ich K vielleicht doch noch einmal einen HimbeerDrops anbieten, fragt S stumm? Aber nein, K hat den ersten Versuch fast barsch abgelehnt, K ist kein Mensch das Süsses mag, vielleicht mag K einen Kaugummi, fragt S stumm?
K fasst in die Innenseite des Mantels und atmet noch einmal hörbar ein. Wo habe ich denn die Kaugummis, fragt S leise. K schreit auf: He! Wo ist dein Geld!? K hat ein Springermesser aus dem Mantel geholt und zielt damit auf S. Los, sag schon, wo ist dein verdammtes Geld, du hast doch Geld!? K sticht mit dem Messer auf S zu, vor und zurück. S ist erschrocken, noch keine Panik; was soll das denn!? S schaut auf das Messer und auf die Strasse, immer noch 160 km/h, schaut auf K. K schreit, Los mach endlich den Mund auf, wo ist dein Geld!! und zielt dabei mit der Messerspitze auf den Hals von S.
S kann nicht denken, S kann nur reagieren, S sagt verdattert zu K, es ist im Handschuhfach. K schaut zum Handschuhfach und nimmt dabei das Messer etwas von S wegg. S greift mechanisch aber gezielt und schnell mit der Linken in die rechte Brusttasche der Jacke, ergreift den Damenrevolver, entsichern, der erste Schuss trifft K in die Messerhand, der zweite Schuss kurz über dem linken Knie, die nächste Bewegung macht der rechte Fuss, voll auf die Bremse, von 150 auf 0 in wenigen Sekunden. K schlägt mit dem Kopf voll auf die Oberseite des Armaturenbretts, das Springermesser fällt zwischen Mittelkonsole und Bremspedal auf den Boden. S gibt wieder Vollgas. K fällt benommen auf den Sitz zurück. K schreit vor Schmerzen, Überraschung und Angst laut auf, und lässt den ersten Schrei in einem Jammern ausklingen. S fährt auf den rechten Begrenzungsstreifen, kurz nach der Ausfahrt Dortmund-Lütgendortmund und hält an.
S schreit nun auch, vor Wut, Überforderung und Abscheu zu K. Sofort hinaus aus dem Wagen!! Sofort hinaus, oder Sie sind tot, Los, machen Sie das Sie aus dem Auto kommen!! S fasst zur Beifahrertüre, stösst sie auf und schreit noch einmal, Hinaus, los!! K fällt mehr aus dem Wagen, als auszusteigen. S gibt Vollgas, die Türe fällt zu, fast hätte S mit Links einen gerade vorbeifahrenden LKW berührt, das Steuer noch etwas herumgerissen, und weiter Vollgas auf der Standspur, vor dem LKW auf die Autobahn zurück, nur wegg hier, wegg, wegg, wegg! Atem holen, schnell und kurz.
Was ist da gerade passiert? Um Himmels willen, ich habe einen Menschen angeschossen, stösst S hervor. Um Himmels willen, was ist nur in mich gefahren, ich hätte die Situation doch auch anders lösen können. Ohne zu schiessen. Was mache ich jetzt nur, ich kann doch K nicht einfach so liegen lassen? Himmel, Himmel, Himmel!, was ist nur passiert, was ist in mich gefahren. Die A40 ist zu Ende, - Dortmund ist erreicht, S fährt viel zu schnell -, und wird nach dem Rheinlanddamm zum Westfalendamm.
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Langsamer fahren. Langsamer. Ganz langsam. Atmen, ganz bewusst atmen. Ein Polizeifahrzeug steht am Strassenrand, zwei Polizisten gehen darauf zu. S fährt hinter dem Polizeiwagen an den Strassenrand, macht den Motor aus, steigt aus und läuft auf die beiden Polizisten zu, die gerade am Fahrzeug angekommen sind. Sie bemerken S und greifen unbewusst an die Gürtel. S hebt die Hände und geht nun auf einen Polizisten zu. Bitte greifen Sie mir in die rechte Brusttasche, sagt S, dort ist eine Waffe drinn, S hebt die beiden Hände noch höher. Der Polizist stutzt, der Kollege greift an seine Pistole, der Polizist fragt, sind Sie sicher? S sagt, ja, bitte greifen Sie mir in die rechte Brusttasche. Der Polizist greift in die rechte Brusttasche, neben die HimbeerDrops und holt den Damenrevolver heraus. Der Kollege fragt, was ist passiert? Atemlos und fasst ein wenig schluchzend erzählt S den Polizisten die Ereignisse der vergangenen 10 Minuten. Bitte, bitte, rufen Sie schnellstens einen Krankenwagen und schicken Sie ihn zur Autobahnausfahrt Dortmund-Lütgendortmund in Richtung Dortmund, dort muss K noch liegen, schnell!; sonst verblutet K. Der Kollege reisst die Beifahrertüre auf und nimmt das Funkmikro. Er schildert in kurzen knappen Worten die Situation und fordert die Zentrale auf schnellstens einen Krankenwagen anzufordern und zur Ausfahrt Dortmund-Lütgendortmund Richtung Dormund zu schicken. Der andere Polizist fordert S nun auf, mit auf die Wache zu kommen. Polizisten fordern gerne. S bittet darum, mit dem eigenen Wagen dem Polizeifahrzeug folgen zu dürfen, ob ein Kollege bei ihm mitfahren könne? S hat immer noch die beiden Arme über dem Kopf. Der Polizist klopft S ab, von den Ärmeln über die Schultern, zwischen den Beinen, bis zu den Schuhen, während der Kollege sichert und sagt anschliessend, ja, ich komme mit Ihnen mit.
Ende.

Und, kommen Sie auch mit?

Eine Frage: Welches Geschlecht haben Sie S und K verpasst? Na gut, da ich es nie erfahren werde, nehmen Sie es als soziologischen Selbst-Versuch, und seien Sie ehrlich, bitte.
Für mich war S beim Schreiben eine Frau und K ein Mann, aber es kann auch anders herum sein, oder 2 Männer oder 2 Frauen oder 1 Mensch und ein Alien ...

Samstag, 18. Februar 2012

HamletMaschine

Dem Ganzen sei eine wunderbare Erkenntnis von Antonin Artaud vorangestellt:
"Um mich von dem Urteil der Anderen zu befreien, habe ich den ganzen Abstand, der mich von mir selbst trennt."

Selbst-Distanz.

Ein Beispiel dazu: "In einem wirklichen Gespräch nimmt ein Mensch durch die Nähe zum anderen Menschen, Abstand vom persönlichen Selbst. Ansonsten ist ein "Gespräch" ein Monolog mit Zuhörern". Abgehört von: Ali Benmakhlouf 

Heiner Müller wurde auch von Antonin Artaud und dessen Theaterexperimenten und Texten inspiriert, gerade auch für dieses Stück.

Versuch einer Text-/Stück-Auslegung.
Die "HamletMaschine", von Heiner Müller.
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Heiner Müller, 1929 - 1995
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Angeregt von Shakespears Hamlet, dem Zauderer und Frager, der nur im Wahnsinn dem traditionellen Verlangen nach Blutrache nachgeben kann, obwohl fast alles in ihm nach Frieden und Weite schreit; -nach Überwindung der Zwänge und Unausweichlichkeiten -; aber eben auch die Wut über den Vatermord ist da und das Verlangen zu bestrafen, neben dem Sehnen nach Veränderung der gegebenen Verhältnisse.

Sein oder Nicht-Sein, folge den rauschhaften Gelüsten und traditionellen Zwängen nach Rache, oder überwinde die Vergangenheit und das alte Handeln, und gehe fort mit der Liebsten ...; aber Nein, er muss, er kann nicht, er muss, muss dem Hass folgen, der aus der verweigerten Trauer spriesst, der aus der Lüge und der Intrige herausquillt, er muss und das kann der Vernunft und der Friedfertigkeit nur schaden, löscht sie in einem inneren Kampf mit den Trieben und einem äusseren Verlangen der Ehre aus. Das Rasen bricht sich Bahn über alles Zögern und Denken hinwegg.

Von dieser Vorlage inspiriert, und von den persönlichen Erfahrungen, Erkenntnissen, der Geschichte und dem aktuellen Geschehen (<=1977) in Schwingungen versetzt, entsteht ein grollender, gellender, bellender Schreibstrom, der links und rechts und oben und unten mitreisst, was in und um einen herum stört, nervt, aber auch glänzt, nach Aufmerksamkeit und Bemerksamkeit schreit, was verstopft ist und was fast schon davonfliegt, Halt!, hiergeblieben, und Hau ab!, verzieh dich, ein Gewaltakt und ein Befriedungsversuch der Sprache. Wut, Wissen und Verzweiflung in die MitMenschen hinein geschrien und geflucht, weil dieser Eine - Heiner Müller - begreifft, dass Er auf Allen Seiten steht, dass Er alle Richtungen versteht, dass Er alle Regungen und Erregungen auch ist: Die Unterdrücker, wie die Aufbegehrenden; und dass Sie, die MitMenschen, so wenig aus dem jeweiligen Selbst machen, dass Sie so gefühls- und denk-passiv an der Selbst-Aufgabe, an der Selbst-Unterwerfung mitarbeiten, dass Sie den vorgefundenen Verhältnissen so denk-träge hingegeben sind, dass die Politik, also die Ausgestaltung und Organisation der Gesellschaft fast immer den "Anderen / Oberen" überlassen wird und ...
Es sind immer die Anderen; doch: Was / Wo sind Die?

Ein Auszug,

aus: '4 Pest in Buda/Schlacht um Grönland' «... Mein Platz, wenn mein Drama noch stattfinden würde, wäre auf beiden Seiten der Front, zwischen den Fronten, darüber. Ich stehe im  Schweißgeruch der Menge und werfe Steine auf Polizisten Soldaten Panzer Panzerglas. Ich blicke durch die Flügeltür aus Panzerglas auf die andrängende Menge und rieche meinen Angstschweiß. Ich schüttle, von Brechreiz gewürgt, meine Faust in der andrängenden Menge gegen mich, der hinter dem Panzerglas steht. Ich sehe, geschüttelt von Furcht und Verachtung, in der andrängenden Menge mich, Schaum vor dem Mund, meine Faust gegen mich schütteln. Ich hänge mein uniformiertes Fleisch an den Füßen auf. Ich bin der Soldat im Panzerturm, mein Kopf ist leer unter dem Helm, der erstickte Schrei unter den Ketten. Ich bin die Schreibmaschine. Ich knüpfe die Schlinge, wenn die Rädelsführer aufgehängt werden, ziehe den Schemel weg, breche mein Genick. Ich bin mein Gefangener. Ich füttere mit meinen Daten die Computer. Meine Rollen sind Speichel und Spucknapf Messer und Wunde Zahn und Gurgel Hals und Strick. Ich bin die Datenbank. Blutend in der Menge. Aufatmend hinter der Flügeltür. Wortschleim absondernd in meiner schalldichten Sprechblase über die Schlacht. Mein Drama hat nicht stattgefunden. Das Textbuch ist verlorengegangen. Die Schauspieler haben ihre Gesichter an den Nagel in der Garderobe gehängt. In seinem Kasten verfault der Souffleur. Die ausgestopften Pestleichen im Zuschauerraum bewegen keine Hand.
Ich gehe nach Hause und schlage die Zeit tot, Einig / Mit meinem ungeteilten Selbst.
...
Ich will nicht mehr essen trinken atmen eine Frau lieben einen Mann ein Kind ein Tier. Ich will nicht mehr sterben. Ich will nicht mehr töten.
Zerreißung der Fotografie des Autors.
Ich breche mein versiegeltes Fleisch auf. Ich will in meinen Adern wohnen, im Mark meiner Knochen, im Labyrinth meines Schädels. Ich ziehe mich zurück in meine Eingeweide. Ich nehme Platz in meiner Scheiße, meinem Blut. Irgendwo werden Leiber zerbrochen, damit ich wohnen kann in meiner Scheiße. Irgendwo werden Leiber geöffnet, damit ich alleinsein kann mit meinem Blut. Meine Gedanken sind Wunden in meinem Gehirn. Mein Gehirn ist eine Narbe.
Ich will eine Maschine sein. Arme zu greifen Beine zu gehn kein Schmerz kein Gedanke. ...»
Ende Auszug.

Da versammelt ein Mensch - Heiner Müller - alle Erfahrungen, alles gesammelte Wissen um das Selbst-Sein, das Anders-Sein, um Verletzlichkeit, aber auch Raserei, um Hingabe in und mit den Anderen, aber ebenso auch um die Ignoranz, die Abscheu und Abschottung von der umgebenden Welt und rotzt es aufs Papier in einem Gewaltakt der Selbst-Befreiung! Keine Einzelfälle mehr, keine Sonderthemen, kein Herauspicken eines Umstands, eines Gefühls, einer Haltung, sondern ein RundUmSchlag, ein angewidertes Austeilen an den Adressaten Heiner Müller genauso, wie an Alle, die ihm darin folgen können, folgen wollen, die verstehen oder auch nicht, Egal!

Grossartig!!!

Ein menschlicher Vulkanausbruch, dickflüssige Lava rutsch den Hang hinab, nimmt Alles mit was drinnen ist und begräbt beim dahinfliessen Alles, was so da ist. Was drinn ist, muss irgendwann mal raus, sonst frisst es den BeInhaltenden auf. Heiner Müller war sowieso noch schonend mit Uns, sonst wäre Er nicht viel zu früh verstorben, aber es hat trotzdem gut getan.


Hier noch eine kurze und dichte, zusammenfassende Beschreibung der Wurzeln von Hamlet und Hamlet-Maschine:

Aus Süddeutsche Zeitung, vom 15.02.2012, Auszüge aus einer Rezension über ein Buch von Wolfram Ette, von Michael Fischer.
Titel: Die mythische Welt ist nichts als Dekoration ...

«Die "Orestie" des Aischylos, die einzig vollständig überlieferte Tragödien-Trilogie des griechischen Theaters, erzählt die Geschichte der Ermordung des aus dem Trojanischen Krieg heimkehrenden Königs Agamemnon durch seine Frau Klytaimnestra und deren Geliebten Aigisthos, sowie von der blutigen Rache, die Orest an den Mördern seines Vaters nimmt.
Orest wird daraufhin von den Fluch- und Rachegöttinnen, den Erinnyen verfolgt, bis Athene zwischen den Verfolgten und die Verfolgerinnen tritt und Orest am Ende in einer Gerichtsverhandlung freigesprochen wird.
Die Aischyloische Trilogie dokumentiert die Ablösung des archaischen Rechts der Blutrache durch das Prinzip eines gesetzlich geregelten Gerichtsverfahrens. Die traditionelle Schicksalsvorstellung eines transzendent verfügten Verlaufs, gegen den kein Protest möglich ist, wird dabei von Aischylos durch ein neues theologisches Konzept ersetzt, in dem der Mensch als gesellschaftliches Subjekt für seine eigene Geschichte verantwortlich gemacht wird.
...
Auch wenn die Hauptquelle von Shakespears "Hamlet" auf die altnordische Sage "Amleth" zurückgeht, kann das Stück aufgrund der übereinstimmenden Handlungsmotive (Vater[Königs-]mord durch die Ehefrau und deren Geliebten und die Rache des Sohnes), als eine neuzeitliche Bearbeitung des Orestie-Stoffes verstanden werden. Hinzu kommt die Ähnlichkeit der beiden Protagonisten Hamlet und Orest, insbesondere der Beiden gemeinsame Charakterzug des Zögerns.
Hamlet geht mit dem fortwährenden Aufschub des verlangten Rachewerks zunehmend auf Distanz zu sich selbst. Durch sein Zaudern verzögert er die tragische Handlung und eröffnet dadurch einen Spielraum für die Gedanken des Publikums.
Shakespears Theater zeige, so W. Ette, dass die Kunst kein Handeln vorschreiben kann. Sie kann aber Konflikte zutage fördern und einen Freiraum erzeugen, in dem sie artikuliert und durchgespielt werden.«

Ende Auszüge aus der SZ

Schlussbemerkungen:

Was macht des Menschen Grösse aus und was hemmt Uns, was zieht Uns darum auch zur Maschine?
Die Einfachheit, die Widerspruchslosigkeit, die (St[r]ahl-)Kraft, die pure Eingeschränktheit auf eine Aufgabe, - inzwischen auch mehrere -, das Ein- und Ausstellen auf Knopfdruck, - inzwischen Einiges (Internet, E-Werke, Notfall-Maschinen, ...) auch nicht mehr -, die beeindruckende Winzigkeit oder Riesigkeit, die Schmerzlosigkeit und fürchterliche Gewalttätigkeit der Waffen, die bedingungslose Effektivität; all das und mehr hätten Wir auch gerne in und für Uns, sind es aber nun mal nicht und das macht eben Unsere Grösse und Verschiedenheit und Widerständigkeit und Spürbarkeit und Verwirrtheit und Schöpfungsfertigkeit aus, -> und das ist alles garantiert keine Schwäche. Wird aber im Angesicht der Technik von Vielen so empfunden. Einfacheit und Berechenbarkeit ist Denen Trumpf, die Uneinsichtigkeit und Sprunghaftigkeit der Lebendigkeit sind Denen ein Graus, sie möchten Maschine sein.

Eine Gruppe namens -->Kraftwerk<-- versucht sich schon seit den 1970ern an der Musik für diese neue Spezies oder einer Kombination aus Schöpfes und Geschöpftem, mit anderem in dem Album "Die Mensch-Maschine" veröffentlicht 1978. Entstanden also im selben Jahr, wie die HamletMaschine!

Oder sie möchten in / mit der Maschine aufgehen / verschmelzen, Cybernauten sein. Die Kraft, Effizienz und kalte (unspontane) Logik der Maschinen, ist einerseits erschreckend, aber für einen unsicheren, vergesslichen und von Gefühlen oft überwältigten Menschen auch sehr anziehend.

Aber diese Denen und andere Denen, also alles Menschenmögliche: extreme und langweilige, steckt in Jedes von Uns, mal in Eines mehr das Denen, im Anderes mehr "das" Denen. Auch von diesem Mischmasch der Menschlichkeit, vom Reichtum an Blödheit und Klugheit, von Recht[s] und Link[s], von Oben und Unten, die In Jedes eingebaut ist, ohne Alles davon auszuleben und dem Aufruhr, den diese Erkenntnis erregt, handelt dieser Text. Heiner Müller ist klar, dass Mensch das Systemfolger genauso ist, wie das Systemveränderer, das Blockierendes, wie das Vorangehendes.

Was für eine Bandbreite!, was für ein Riesiko!, was für eine Verrücktheit!, birgt das Begreiffen dieser tiefen Selbst-Erkenntnis?

Den völligen Rückzug in die nur persönliche Haut? In den persönlichen Schleim, das persönliche Blut, die persönlichen Exkremente, wie Heiner Müller im Text andeutet? Nach dem Motto: Ich könnt kotzen, wenn ich das Alles mit-Kriege!

Ist die Flucht vor (in?) der Wirklichkeit, der Eskapismus, das Ausblenden, der auch persönlichen Vielfalt und Vielgestaltigkeit hilfreich? Ist es gesünder, wenn (Jedes) Mensch die anderen Menschen, die MitMenschen, als gleiche Spiegelbilder und (aber!) andersgeartete Ausprägungen der menschlichen Möglichkeiten, des persönlichen Selbst, einfach ausblendet, verdrängt, oder ist diese Selbst-Beschränktheit vielleicht doch kränkender?

Wie lange braucht die gesamte Menschheit noch, all die MitMenschen als gleichwertig, gleichwichtig und Diese und das jeweilige Selbst als (aber!) verschieden, als eine Facette der Möglichkeit "Mensch" anzuerkennen, ohne zu erschrecken?

All die Hatz und der Hass oder die Absonderung oder Gleichgültigkeit, die etwas völlig anderes als die Gleichwertigkeit ist, in und zwischen Uns.
Warum?

Vielleicht, weil k[aum]ein-Es bisher Selbst entscheidet, welche Facette -Es und auch, wann -Es diese Facette, die Möglichkeit Mensch zu sein, ausleben möchte, und dass wegen all der Vergangenheit und der Gesellschaftprägungen, den Herkunftsregionen, der Religionen, den Traditionen, den Familien-Verpflichtungen, - Zwänge wohin ein-Es fühlt und spürt, das Fremde in Uns -, ... aber das führt weit über den Text der HamletMaschine hinaus, oder auch dahinter, suchend nach der Ursache der Verstörung, des Zauderns und der Wut, die diesen Text antreibt.

Die Versuchung geht weiter ...