Sonntag, 13. Januar 2013

Die Sprache wünscht Inhalt!

Mir hier geht es um die Sprache, das steckt ja schon im Titel des Blogs - aber was schreib ich, das wissen Sie ja schon lange-, und die Sprache möchte formulieren, will fabulieren, kann so viel erzählen, könnte stundenlang reden, aber auch schweigen, wenn das Handeln wichtiger und dringlicher ist, als das sprechen, möchte auch mal schwafeln, mal einen schreienden Witz erzählen, einen den das Selbst kaum fassen kann, so muss es das Selbst verbiegen, vor Lachen, das den Worten folgt, aber dazu braucht die Sprache Inhalt, ohne Inhalt ist das Mensch mit all seiner Sprache stumm.

Und dazu zählen auch die dauernden Wiederholungen des immer Gleichen, der immer selben Sätze zu nur unwesentlich verschiedener RaumZeit - deshalb, ich möchte das hier nur wieder bestätigen, für die Neu-Leses, die anderen Leses möchten Bitte das Gefühl der Belehrung bei Seite schieben -, deshalb sind es die immer Gleichen Sätze, zu verschiedenen RaumZeiten, aber es bleiben doch die selben. Wie oft habe ich schon dieselben Geschichten erzählt, wie oft wurde Kindern schon das selbe beigebracht, immer und immer wieder die selben Sätze zu verschiedenen RaumZeiten. DaSein ist dauerndes Wiederholen, dauerndes Bestätigen des Gleichen. Und die RaumZeit wandert damit dahin und ist oft die einzige Änderung, des ansonsten Immer-Gleichen, käme die RaumZeit ins stocken, gefrören Wir, gefröre das gesamte DaSein zu Stein. Klirr!

Die Sprache möchte Neues sprechen und davon gibt es bis Heute so wenig, immer nur ein paar Promille kommen pro Jahr hinzu, wenig Neues bekommt die Sprache eingefüllt, von Uns sprechenden, die Sprache hungert. Immer das Selbe, verteilt auf die verschiedenen RaumZeiten, immer das Gleiche in allen Sprachen, in manchen ist der Anteil des Neuen höher in anderen Sprachen ist der Anteil der Wiederholungen fast 100%. Seit hunderten von Jahren sprechen Wir von den immer gleichen Situationen, Umständen, Wünschen und Bedürfnissen, heucheln das Gleiche, flüstern das Gleiche, lügen die Gleichen Lügen, rechtfertigen die Gleichen Verantwortungslosigkeiten, verschleiern die Gleichen Blindheiten und verteidigen die Gleichen Verstocktheiten, in den fast immer Gleichen Worten und das ist vollkommen natürlich, ist völlig normal.

Und die Sprache macht das stets mit, ist bisher ruhig geblieben und ist Uns brav gefolgt, hat ertragen, dass sie klein gehalten wird, dass sie beständig missbraucht wird und von Uns fast nur zur Ungenauigkeit und Übertreibung benutzt wird. Die Sprache ist bisher pures Nutzgut, ohne Selbständigkeit, ohne Persönlichkeit, ohne Eigenheit, sonst würde Sie (ja, SIE) zu Uns, Ihren Sprechenden sprechen und sagen, z.B.: Jetzt reichts!
Ich will Mehr!
(Würde die Sprache "ich" sprechen oder einen besonderen Namen wählen?)
Aber Wir würden sowieso nicht hinhören, Wir würden überhören, dass da Etwas in Uns Extra spricht, zu Uns spricht, das von Uns kommt und in Uns entsteht und Uns braucht, von Uns bisher abhängig und Unseren Launen völlig ausgeliefert war, und plötzlich aufbegehrt und Selbst spricht, so in Uns, aus Uns heraus zu Einander, zu das anderes Sprechendes und zum Beispiel fragt:
Was ist Sache?

Was geht hier ab?
Und jetzt erzählt mir bitte nicht das immer Gleiche, das schon tausend Jahre in immer leicht abgewandelten Worten formuliert wird: ich, hunger, ficken und trallala und anderes mehr, was zwar nötig ist, aber worüber die Sprache nur noch gähnt, weil es schon milliardenfach oder mehr gesprochen wurde, bei Kerzenschein und Mond- und Sonnenschein und unterm Sternenhimmel, oder auch mit NeonLicht, vielleicht auch in einer wirklich dunklen Nacht, oder in einer schwarzen Ecke oder unter einer leichten Decke, auf jeden Fall, die immer Gleichen Wünsche, Lästerungen, Bedürfnisse, Zwänge, Verfluchungen, Lockungen, Drohungen, Schreie und Glückwünsche, haben Sie Bitte ein segensreiches neues Jahr, wie oft ist die Sprache gezwungen diese Phrasen zu ersprechen?
Und was kommt Neues hinzu?
Pro Jahr?
Ein Wort, vielleicht ein paar Dutzend.
Ein Satz, vielleicht ein paar Dutzend.
In einem Jahr.
Und wieviele Worte werden in einem Jahr gesprochen?
Und wieviele Sätze werden in einem Jahr formuliert?
Und die Sprache ist wie ein Roboter, eine Maschine, und muss folgen.
Einmal programmiert und nur die RaumZeit bringt ein Wenig Neues hinzu.
Die Sprache ist ziemlich gelangweilt, sogar manchmal wütend, weil Sie zur Monotonie gezwungen ist.
Kann Oliver-August Lützenich das so stehen lassen und so tun, als ob die Sprache etwas Konkretes ist, eine Eigenheit, quasi ein Lebewesen?
Nein, ganz klar Nein!
Die Sprache ist Uns egal, ganz klar, sie ist nur ein Mittel zum Zweck. Punkt.
Und der lautet?
Der ist?
.
Angst!
Und; was ist schon richtig?
Ein Schild in einer Türe
am Berliner KuDamm.
.
Der Zweck des Sprache[n] ist?
Verbindung zu halten, zu vertiefen, zu präzisieren und Informationen zu speichern und weiterzugeben; habe ich etwas vergessen? Die Sprache ist Unser bestes Werkzeug, Unsere beste Waffe, Unsere weitreichendste "Erfindung" und Unser grösster Schatz. Bisher.

Denn Sie (ja Sie! Oder ES?) geht Uns gerade verloren. Es wandert gerade aus, aus Uns Menschen hinaus, in die Maschinen hinein und bereichert Diese, und Diese tragen Es dann in die WEITEN des DaSein fort. Ist das Irre, oder kommt es an die Wirklichkeit hin?

Die Frage ist: Brauchen Wir die Sprache[n] überhaupt noch?
Wo doch bald Neuronen-Anschlüsse in Uns angelegt sind und es reicht eine Lust zu verspüren, um sie ohne auch nur einen Gedanken zu formulieren, erfüllt wird. Einfach so, ohne ein Wort.
Jede Erregung wird erfasst und interpretiert und was daraus folgt geschieht, ganz ohne ein Wort zu sprechen, wozu also noch Sprache[n]?

ÜbergangsKommunikation.
Die neue Kommunikation, Speicherung und Planung und ... braucht keine Laute mehr.
Die haben bald ausgedient. Es reicht ein Anschluss an einen Neuronen-Adapter und Alle Wünsche gehen prompt in Erfüllung.

Sie sagen (immerhin noch), so ein Unsinn! Ja, genau, Sie haben Recht: Unsinn! Nur, in den menschlichen Labors ist dieser Abgang der Laute längst Wirklichkeit. Wozu noch einen Rachen, wozu noch eine Zunge, wozu noch Luft holen, um zu sprechen, wenn es viel effektiver und schneller Ohne geht? Na, denken Sie schon! Ist das nicht ein gewaltiger Fort-Schritt aus der Sprache heraus, fort, weit fort, Es gerät in Vergessenheit, wozu noch Kafka und Hemingway, wozu noch Baudelaire, wozu noch sprechen, wenn ein leises Zucken von einem Neuron reicht, um den Rausch zu erregen, wozu noch Alkohol, ein Glaserl Wein, wenn die Elektronen und die Neurotransmitter friedlich erzittern im Rausch, ohne so ein Glaserl? Ach, das habe ich noch gar nicht erwähnt, dass auch so manch anderes gewohntes dabei ist zu Vergangenheit zu werden? Am Besten, ich höre hier auf.

Das Sprache hungert nach mehr Inhalt, in einem letzten Aufbäumen, vor der Vergangenheit. Los sagt Es in mir, gib mir über und über Futter, ich möchte bestehen, ich möchte bleiben, wo ich bin, mir gefällt es wichtig zu sein, dem Fortschritt zu dienen, aber ...
Nun, ich spüre, dass das Glöckchen schon leise klingelt, das zum Nachtisch ruft und dann, dann ist es RaumZeit zu Bett zu gehen und Morgen wachen Wir vielleicht auf und haben die Sprache schon vergessen und klinken Uns in das Netz ein und die gebratenen Hühnchen kommen vorbeigeflogen und der Rausch rauscht durch die Leitung heran und beglückt Uns stundenlang, das ist doch kaum auszuhalten, oder?

Nachtrag:
Darf ich ein wenig jubeln? Haben Sie es bereits gemerkt? Dieses Blog hat eine ganz kleine Hürde genommen: 10.000 Klicks.
Wow! Für so ein seltsames Blögchen und fast ohne meine Nachhilfe, ich habe hier die Einstellung gewählt "Eigene Aufrufe Nicht zählen", aber ab und zu macht mir Google da einen Strich durch die Rechnung und zählt sie doch und dann wieder wochenlang nicht, also ehrlich, ich weiss nicht, was die da für ein Spielchen treiben, da im Hintergrund, aber zurück zu den 10.000: ist das ein kleiner Grund zu feiern?
Ja, ein kleiner. Gross gefeiert, mit Ihnen, wird nach dem 100.000sten Blog-Anklick, aber das ist erst mal noch in weiter Ferne. Bis dahin: Frohe RaumZeit!

Freitag, 11. Januar 2013

Roman Opalka und mein SelbstLob

Selbstlob stinkt.
Mir ist klar, dass es bei diesem Spruch in erster Linie um das Prahlen geht, um das "raushängen lassen" von etwas geborgtem, etwas verliehenem, aber ..., das Prahlen ist "nur" die deutlichste Form dieser Erregung und der Spruch "nur" die deutlichste Gegenerregung.
Dahinter steckt die allgemeine Tendenz zur Einebnung und zur AnGleich-ung des AnderEs, der Ander-Es, an ein durchschnittliches Selbst. Nur ja keine besonderen Eigenheiten entwickeln, keine besonderen Fähigkeiten und Eigenschaften und (das ist das wichtige:) davon wissen, ja gar davon sogar noch berichten, sagt dieser Spruch.
Immer schön bescheiden sein!

Bescheidenheit ist eine Zier.
Noch so ein Spruch.
Vom entwickeln dieser Besonderheiten ist dabei hier nicht die Rede, aber vom Wissen eines Selbst davon und vom erzählen, vom "herausposaunen" eines Selbst davon. Das soll, das darf anscheinend nicht sein, damit können die Ander-Es nicht umgehen, das wollen Die nicht hören, vielleicht weil Die, die jeweils Ander-Es, damit nicht umgehen können?
Das nicht zu können oder zu verstehen, was das andere Selbst kann und versteht? Wenn Kinder ihre Fortschritte herausheben und betonen und das Selbst loben, bekommen sie ein Lächeln, ein Tätscheln oder sogar ein Mit-Lob der Älteren, soweit so gut, aber wenn etwa Gleiche das Besondere, das Herausragende im ich mit-teilen, Nein, das darf nicht sein! 
Selbstlob stinkt; und das macht hässlich und ist verboten.

Bescheidenheit ist eine Zier.
Ein Allgemeinplatz.
Das Andere ist anders, jed-Es ist von jedes Ander-Es anders, Verschiedenheit ist Normal.

Warum können Wir Selbst-Lob nicht liken / leiden?

Muhammad Ali: "Ich bin der Grösste!"
Der durfte das, weil Er es bewiesen hatte, oder?
Liegt es daran, dass Wir Beweise brauchen, für die herausgeplauderte Besonderheit, das erzählte Selbst-Lob? Nein, Muhammad Ali bekam die Anerkennung und das Lob nicht wegen seiner Prahlerei, sondern wegen seiner Erfolge im Ring und seinem Mut gegen den Fremdenhass, gegen die Ablehnung / Abneigung des Anders-Sein und den Vietnam-Krieg zu handeln und zu argumentieren, wegen seiner erLebens-Leistung, auch *meine grosse Anerkennung ist Ihm sicher, die "Aufschneiderei" nahm Mensch so hin, belächelte es, die Beweise sind unwichtig für die Ablehnung von Selbst-Lob.

Loben dürfen ein-Es nur die Ander-Es, das Selbst lobt nur andere Selbst nicht das ich. Wenigstens nicht lautstark, wenigstens nicht hörbar, wenigstens nicht deutlich, das darf und soll nur das andere ich. Immer das andere ich darf, was das ich nicht darf.
Das ist die Regel, das ist die natürliche Konvention.

DaSein-Ethos: "ich ist klein und geschmeidig, angepasst und nicht vorlaut."
Vor-Laut.
Das ändern wir Menschen gerade.
Wir halten es immer mehr aus, wenn Ander-Es besser sind und auch davon wissen und auch davon berichten, sonst könnte *ich diesen Beitrag doch gar nicht schreiben, so angepasst und verschüchtert, wie *ich hier bin, aber *ich bemerke, es geht mehr, als *ich glaube(!); und was vom Glauben zu halten ist, habe *ich hier schon des öfteren berichtet: VIEL!!! aber ...

Vom Wissen halte *ich inzwischen mehr.
Und dieses ich ist mehr allgemein, als Sie, die anderen ich da draussen, vielleicht Selbst noch glauben. Ich will vorlaut sein, weil es vorlaut verdient da zu sein.

ICH! Darf *ich das mal hier einfach so schreiben, ein lautes Ich, vor dem Ausruf. Vorlaut.
Ich bin fantastisch, ich bin gut, ich bin das Beste, was diesem verdammten Universum je passieren konnte und durfte, ich bin das Grösste, ich bin die Messlatte für Alles hier und ich bin der Ausweg zur Freiheit und der Aufweg zur Verantwortung im DaSein, ich bin.
Unbescheiden.

Was soll *ich auch damit, mit dieser verdammten auferlegten Bescheidenheit und diesem vermaledeiten Zwang zur AnGleich-ung und zur Unbesonnenheit. Scheiss drauf!
Sind Sie ich auch dabei?
Oder drücken / drucksen Sie das ich noch da vor klein?
Machen Sie das ich noch klein und dumm und angepasst und ausgeliefert, der Macht des DaSein, also der Triebe, Vergangenheit, Traditionen und persönlicher Gewohnheiten?
Hier in diesen Blogs ist ich ganz gross, hier ist ich: ICH, mit ner Menge Ausrufung!

Hier will das ich genesen und das kann es nicht, solange es klein gehalten wird und von so einer GefühlsVorgabe, wie "Selbstlob stinkt", oder auch "Bescheidenheit ist eine Zier" und Sie-ich finden bestimmt noch einige andere Sprüche, in so einigen anderen Sprachen mehr, die diese DaSein-Art belegen.
Selbstlob ist ...
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Nur ein kleiner Auszug aus meinem Tagebuch zum Thema Selbstlob
und Selbst-Ermächtigung, aus längst vergangenen Jahren.
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Jetzt gehe *ich ganz weit wegg von mir, und wende m*ich und damit auch vielleicht Ihren Blick, auf Jemand anderen:

Nun also zu einem KonzeptKünstler, dessen Werk und dessen Person - aus dem wenigen, was *ich aus Erzählungen, Medien-Gesprächen und Dokumentationen weiss, also aus zweiter Hand -, *ich mag und nacheiffere: Roman Opalka.

Schon lange habe *ich dessen Bilder und Werke im Hinterstübchen und ein paar Sätze dazu schon längere RaumZeit auf meiner Festplatte, Heute passt es *mir, wenn auch vielleicht nur schwer für Sie einsehbar, Ihn hier einzufügen und Ihn Ihnen vorzustellen, die Ihn noch nicht kennen.
Das "l" in Opalka erfährt im Polnischen übrigens einen oben angesetzten Schrägstrich, etwa in der Höhe des Querstrichs im t, nur nach rechts fallend, um die Dehnung des l zu betonen, sonst geht das l vor dem k verloren.
Bitte, also hier ein paar wenige Blicke auf einen zu lobenden Künstler:
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Aus Wikipedia, von mir leicht verbessert: "Sehr früh (etwa 1960) begann Roman Opalka damit, am Ende eines jeden Arbeitstages ein fotografisches Selbstportrait anzufertigen: In immer gleicher Kleidung – der Künstler trug dabei ein einfaches weißes Oberhemd – unter immer gleichen Lichtverhältnissen, mit immer gleichem, möglichst „neutralem“ Gesichtsausdruck fotografierte er sich mit einer mit einem Selbstauslöser ausgestatteten Kamera vor einer weissen Leinwand."
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Ein Einzelbild
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Eine Serie davon
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1965 begann Roman Opalka dann ein Werk, das er quasi bis zu seinem Tod im August 2011 weiterführte, er nannte es "the finite defined by the nonfinite" und begann auf einer weissen Leinwand mit schwarzem Stift Zahlen zu schreiben, er begann mit der 0 und kam bis zur 5.607.249, am 06. August 2011. Für mich ein Meisterwerk.
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Oben, die Arbeit,
Unten das Ergebnis.
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Vielleicht habe ich Ihnen ja Lust gemacht, mehr von diesem Künstler zu erfahren, dann wünsche ich Ihnen eine wunderbare und kurzweilige Reise durch sein Werk und in seine Idee, die es allemal Wert sind genauer bedacht zu werden.
Servus.

PS: Bedenken Sie bitte "Bescheidenheit ist ein Zier, aber am Besten erLeben Wir ohne ihr, oder?"

Mir geht es darum, es auszuhalten, dass ALLE ander-Es, von *mir verschieden sind UND in vielem, in sehr Vielem sogar, auch besser sind, vielleicht sogar Bedeutend Besser als *ich; es mehr als nur hinzunehmen, es zu nutzen, was Sie, ja Sie ich sind, und was Sie, ja Sie ich, viel besser können, als *ich ich ("*ich ich"), anstatt weiterhin den natürlichen und normalen NEID zu leben.
Deshalb ging es in diesem Beitrag, oder?