Sonntag, 11. November 2012

Das Trieb zu Wissen?

Was passiert mit den Trieben, wenn das Wissen stark genug ist, sie abzulösen?

Die Meist-Es werden fragen: Was sind überhaupt diese Triebe, vom Überlebens- und dem FortpflanzungsTrieb wissen die Meisten inzwischen, wohlgemerkt, die Meisten in den nördlichen, den demokratischen Bereichen der Menschheit, die meisten Menschen wissen davon nichts, die Meisten Wissen überhaupt nur wenig, aber *ich schreibe ja hier im schulisch besser gestellten Bereich der Menschheit, und hier wissen die Meist-Es von den Trieben und insbesondere von diesen wichtigen Zweien, aber was sind Triebe genau?

Woher sind sie getrieben und was treiben sie in der Lebendigkeit, also auch uns Menschen an? Treiben, treiben, treiben, bis sie vertrieben werden, bis die Triebe vertrieben werden von besserem Wissen, dann ist es plötzlich aus mit dem Treiben der Triebe und der unter-lage des Wissens.
Unterliegen tut dann das Treiben. UnterLEIDen.

Das Stoppen der Triebe durch das Wissen. Ist das gefährlich? Für Was? Für Etwas? Was unterLEIDet wenn das Wissen den Trieben Einhalt gebietet und spricht: So nicht.

Was ja schon passiert, denn die Triebe wollen Hierarchien/Macht, das Wissen weiss mehr. Und fordert es ein und herein und die Triebe fordert das heraus, fördern die Gewalt heraus, fordern die Unterordnung, fördern den Abschied vom Wissen, ja, Triebe wissen wenig.

Und das Wissen schreibt: Es geht auch anders.
Was ja schon passiert, denn Triebe wollen Mann und Frau, das Wissen weiss von mehr. Und fordert es ein und herein und die Triebe fordert das heraus, fördern sogar den Hass heraus, fordern das Bleiben, fordern Sack und fruchtsame Lippen, doch das Wissen weiss von mehr.

Das Wissen ist noch sehr klein und kann gegen das Treiben nicht anstinken, nicht sehr, aber wie oben geschrieben, wird es bereits von den Trieben gerochen und das Treiben hält die "Nase" zu, macht dicht, will ausmerzen.
Der Kampf der Systeme?

Was kämpft da für und gegen Was?
Vielleicht das Vergangene und Eingeübte, gegen die Weite und Vielfalt der RaumZeit? Als wenn die RaumZeit nur wenig aushalten könnte, wo mir doch klar ist, dass zum Erhalt und zum Bestand des DaSein in der RaumZeit die Vielfalt, die Weite und die dauernde Weiterentwicklung unerlässlich sind.

Mir ist manchmal noch etwas bang, wenn ich immer wieder ins Bewusst-Sein hole, dass ich ein VielZeller bin. Was hat das zu bedeuten, das zu wissen, was fordert das Wissen davon, von dem VielZeller, der Es weiss, dass er ein VielZeller ist?

Und doch wollen Wir wissen, müssen wissen und hören nicht auf zu forschen und zu fragen, auch wenn ein-Es, wie *mir, dabei öfter mal bange ist, was damit anzufangen ist und was das in und für Uns ändert, dass Wir von Stund zu Stund mehr Wissen, als den Trieben lieb ist.

Davon kündet ein gestriger Fund.
Lesen Sie hin, wissen Sie.
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Yves Klein, "Anthropométrie 6", 1960
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Aus Süddeutsche Zeitung, vom 10.11.12 (was für ein schönes Datum!).
Von Sebastian Herrmann

Titel: Mikrobielle Untermieter
Untertitel: Im Bauchnabel leben im Schnitt um die 50 Bakterienarten

{Der Inhalt dieser Klammern, ist von *mir}
Der Bauchnabel des Menschen beherbergt nicht nur Fussel, sondern unzählige weitere Untermieter. In Abstrichen aus 60 Nabeln haben die Biologen Jiri Hulcr, Andrea Lucky und Robert Dunn von der North Carolina State University insgesamt 2368 verschiedene Bakterienarten identifiziert. Mehr als 1400 dieser Keime waren bislang unbekannt. "Der Bauchnabel ist einer der Lebensräume, die uns am nächsten sind, und ist bis heute weitgehend unerforscht", schreibt die Gruppe in Plos One, wo sie ihre wissenschaftliche Nabelschau veröffentlicht haben (Bd. 7, S. e47712, 2012). Auf der Haut und im Darm jedes Menschen tummeln sich etwa eine Billiarde Bakterien {Richtig ist: Das Mensch ist aus ca. 100 Billionen Zellen aufgebaut. Was ja auch schon sehr sehr viel ist! Etwa 10 Billionen davon sind aus der Vereinigung Ei- und Samenzelle, der »Zygote«, und den daraus entwachsenen Zellen, entstanden; 90 Billionen sind alle anderen Arten von Einzellern, also nicht "nur" Bakterien, die von den Eltern und später aus der Umgebung dazugekommen sind, und ohne die - diesen Mix aus inneren und angelagerten Mit-Lebewesen - Keines, kein Mensch und keine andere Lebendigkeit bestehen kann. Der Autor dachte wohl, lieber etwas über- als untertreiben, oder er kam mit den Zahlen etwas in Konfusion, weil im Englischen ist die deutsche "Milliarde" eine "Billion"?}, die zusammen rund zwei Kilogramm wiegen. Auf jede menschliche Zelle kommen somit zehn Keime {Keime? Krankheits-Keime? Was ist daran Wissen, was ist dabei Angst? Sind Wir Menschen für den Regenwald oder viele andere Spezies Keime? Statt Keime, was doch sehr nach Krankheit klingt und nicht nach Überlebens-Notwendigkeit, was diese Spezies für Uns sind, wäre mir Mit-Lebewesen lieber, aber das ist nur meine bescheidene Meinung.}. Das klingt eklig, doch diese mikrobiellen Untermieter erledigen unzählige wichtige Aufgaben. Sie helfen bei der Verdauung, produzieren lebenswichtige Vitamine, halten die Haut geschmeidig und unterstützen das Immunsystem. Ohne die Besiedelung durch Bakterien könnte der Mensch nicht leben. Ob die Bakterien-Kolonien im Bauchnabel ebenfalls lebenswichtige Arbeiten verrichten, ist ungewiss - sie sind halt einfach da, so wie sie überall auf der Haut sind.
Für die Studie nahmen die Forscher per Wattestäbchen Proben aus Bauchnabeln ihrer Probanden. Hulcr und Lucky vermehrten die Keime dann in Petrischalen und glichen ihr Erbgut mit Hilfe großer Datenbanken ab. Im Schnitt hausten in jedem Nabel um die 50 verschiedene Keime. Der Mensch mit der größten Diversität beherbergte 107 unterschiedliche Arten, der mit der geringsten Bandbreite enthielt noch immer 29 Arten. 2188 der insgesamt nachgewiesenen 2368 Bakterienarten fanden sich in weniger als zehn Prozent der Proben, die meisten Spezies siedelten sogar nur in jeweils einem Bauchnabel.
Keine einzige Art fand sich bei allen Testpersonen. Dennoch identifizierten die Forscher dominante Spezies, so genannte Oligarchen. Diese acht Keimarten machten 45 Prozent der gesamten Bakterienmenge aus.
Der Wissenschaftsautor und Blogger Carl Zimmer steuerte auch einen Abstrich aus seinem Bauchnabel bei - und berichtet über bizarre Ergebnisse. Mit einer Keimvielfalt von 53 Arten liegt Zimmer zwar im Durchschnitt. Doch einige seiner Mitbewohner sind exotisch: So fanden sich darunter 17 Arten, die in keinem anderen untersuchten Nabel auftauchten, etwa Bakterien der Art Marimonas, die bisher nur aus Ozeanen bekannt sind.
In Zimmers Nabel hausten zudem Georgina-Keime - Bodenbakterien aus Japan. Er sei aber noch nie in Japan gewesen, schrieb Zimmer in einer E-Mail an Dunn, wie er auf seinem Blog berichtet. "Aber offensichtlich ist Japan bei dir gewesen", antwortete Dunn, der in seinem eigenen Nabel Pantoena-Bakterien fand, die sonst auf Pflanzen leben. Wie solche exotischen Keime in die Bauchnabel ihrer Wirte geraten, wissen die Forscher nicht.
"Wir haben Piercings gesehen, einige Infektionen, Fussel und mehr Haare, als uns lieb waren", schreibt Robert Dunn in einem Blogbeitrag für das Magazin Scientific American.
Gelegentlich überschritt die Arbeit sogar Schmerzgrenzen: Einer der Probanden erklärte, er habe sich seit Jahren nicht gewaschen. Das machte die Angelegenheit zwar eklig, die Probe aber wertvoll für die Forscher. Erstens fanden sich nur in diesem Abstrich zwei Archaeen-Arten - Einzeller, die zu den Prokaryoten {Zellen ohne Zellkern, also ohne eingehäutete Erbsubstanz, wie bei Uns Eukaryoten. Die DNS schwimmt frei im Cytoplasma umher, in Uns ist sie quasi doppelt abgeschirmt: durch ZellMembran und KernMembran} zählen, so etwas wie Urbakterien {Aber wirklich nur so etwas wie, weil die UrBakterien existieren nicht mehr, die Archaea sind aber noch sehr existent und somit ebenfalls eine Weiterentwicklung von ausgestorbenen einzelligen Ur-Procaryoten}. Zudem sei diese Probe womöglich historisch repräsentativ, denn vor wenigen Generationen sei es unüblich gewesen, sich so oft wie heute zu waschen, schreibt Dunn.
Trotz der ungewöhnlichen Arbeitsbedingungen arbeitet das Team weiter an den Nabeln der Welt. Mittlerweile ist die Zahl ihrer Proben auf über 300 angewachsen. Mehr als 600 aus ganz Nordamerika peilen die Forscher an, um vielleicht eines Tages erklären zu können, welche Faktoren die Mixtur der Keime im Nabel bestimmen. Geschlecht, Alter, Wohnort und ethnische Zugehörigkeit spielten laut Dunn nämlich erstaunlicherweise keine große Rolle. Und falls diese Fragen dann geklärt sein sollten? Auch Ohren, Nasen, Augenbrauen, Fußnägel und besonders die Armbeugen hielten weitere Mysterien bereit, schreibt Dunn.
Ende Artikel

Es gibt also auch einen Trieb zu Wissen und das wird stärker und stärker, als das Trieb zu gehorchen, als das Trieb so zu bleiben, wie Es ist, zu treiben, wie es ist, zu handeln, wie es seit kurzem oder langem üblich ist, das Chaos-Trieb, aber Chaos macht Angst, also um die Angst zu nehmen, das Wissens-Trieb, das Veränderungs-Trieb, das Entropie-Trieb, um die Physik ins Spiel zu bringen, aber es bleibt stets unterhalb der anderen Triebe, des "Lass-gut-sein-Triebs", des Bewahrungs-Triebs, des Fortpflanzungs-Triebs, oder ist das eine Variante des Veränderungs-Triebs?

Mir kommt dabei fast der Verdacht, dass das - Wissen wollen - kein Trieb ist, also eine zur Gewohnheit geronnene Handlungsart, sondern etwas viel ursprünglicheres ist. Und jetzt glauben Sie bitte nicht, dass nicht auch die Hierarchien und Geschlechter, in die Wir bisher eingeteilt sind, etwas anderes sind als in DNS und Kultur - geronnene Gewohnheiten -.

Bisschen viel "nicht" im VorSatz!
Also, mir ist klar, dass das, was Wir hier erleben und was Wir sind, zum Alltag geronnene Erfahrungen, Erlebnisse und Bewertungen des DaSeins sind, die weiterhin mehr oder weniger flüssig in der RaumZeit wabern oder wandern, was Ihnen lieber ist. Nix is fix, sagt Eines so leicht, ist aber schwer das anzuerkennen. Wir sind eben auch gewohnheitsmässige Fest-Halter.

Und seien Sie gewiss, *mir ist klar, dass diese HandlungsArt (von -Weise, mag ich einfach noch nicht schreiben) Uns Lebewesen von den Grundlagen und den Umständen der Natur vorgegeben wurde; die Natur war bis vor kurzem Alles in Allem, eine Mangel-Veranstaltung und ist es bis Jetzt -> aus Gewohnheit und in den Trieben, für die Meisten Lebewesen immer noch.

Dauert wahrscheinlich  noch etwas, bis die Mehrheit erkannt und dann auch langsam er-/begriffen hat, das Reichlich für Alle vorhanden ist.
Kein-Es muss Mangel LEIDen, die FREUDE bietet Allen ein Mehr an.
Und warum tut das DaSein das?

Na, *ich möchte mal vermuten, weil es etwas braucht, was in Uns wächst und dieses Etwas braucht reichlich Nahrung und Aufmerksamkeit und Pflege, jetzt raten Sie mal, was ich da vermute, Was (es) ist?

Freitag, 9. November 2012

Epikur: Brief an Menoikeos

Hier nun ein weiterer Schritt der Philosophie-Historie, ein Anfang für viele junge oder auch alte Philosophen, - e i n - Anfang, nur einer, denn davon gibt es inzwischen viele. Aber mir gefällt dieser Einstieg immer wieder und so pinne ich ihn heute an meine Blog-Wand, um bei Bedarf auch auf diesen Text zugreifen zu können, obwohl er auch im www bestimmt schon tausend-fach verteilt ist.

Von Epikur (342 - 270 v. Chr.):

BRIEF AN MENOIKEUS

(überliefert in der Epikur-Biographie im 10. Buch der ca. 220 n. Chr. entstandenen antiken Philosophiegeschichte "Leben und Lehren berühmter Philosophen" von Diogenes Laertios; Übersetzung: Olof Gigon; Erläuterungen in eckigen Klammern)

1. Anrede und "Motto"

EPIKUROS GRÜSST DEN MENOIKEUS

Wer jung ist, soll nicht zögern zu philosophieren, und wer alt ist, soll nicht müde werden im Philosophieren. Denn für keinen ist es zu früh und für keinen zu spät, sich um die Gesundheit der Seele zu kümmern. Wer behauptet, es sei noch nicht Zeit zu philosophieren oder die Zeit sei schon vorübergegangen, der gleicht einem, der behauptet, die Zeit für die Glückseligkeit sei noch nicht oder nicht mehr da. Darum soll der Jüngling und der Greis philosophieren, der eine, damit er im Alter noch jung bleibe an Gütern durch die Freude am Vergangenen, der andere, damit er gleichzeitig jung und alt sei durch die Furchtlosigkeit vor dem Künftigen. Wir müssen uns also kümmern um das, was die Glückseligkeit schafft: wenn sie da ist, so besitzen wir alles, wenn sie aber nicht da ist, dann tun wir alles, um sie zu besitzen. Wozu ich dich dauernd gemahnt habe, das tue auch und kümmere dich darum und begreife es als Elemente des guten Lebens.

2. Theologie

Erstens halte Gott für ein unvergängliches und glückseliges Lebewesen, so wie die allgemeine Vorstellung von Gott im Menschen angelegt ist, und hänge ihm nichts an, was seiner Unvergänglichkeit fremd oder seiner Glückseligkeit unangemessen wäre. Glaube vielmehr von ihm alles, was seine Glückseligkeit und Unvergänglichkeit zu sichern vermag. Götter nämlich existieren; denn die Gotteserkenntnis hat sichtbare Gewissheit. Sie sind aber nicht so, wie es die Leute meinen. Denn die Leute halten gar nicht die Gedanken über die Götter fest, die sie [natürlicherweise] haben. Gottlos ist nicht der, der die Götter der Menge beseitigt, sondern der, der den Göttern die Ansichten der Menge anhängt. Denn die Aussagen der Menge über die Götter sind nicht Vorahnungen, sondern falsche Vermutungen. *Darum entstehen von den Göttern her die größten Schädigungen für die Schlechten und auch Förderungen <für die Guten>.* Denn da die Götter durch und durch mit ihren eigenen Tugenden vertraut sind, akzeptieren sie nur Wesen, die ihnen ähnlich sind; doch alles, was nicht derart ist, schliessen sie aus als fremd. [Der von "*" eingerahmte Satz ist sprachlich nicht eindeutig und wird z.T. anders übersetzt.]

3. Der Tod

Gewöhne dich an den Gedanken, dass der Tod uns nichts angeht. Denn alles Gute und Schlimme beruht auf der Wahrnehmung. Der Tod aber ist der Verlust der Wahrnehmung. Darum macht die rechte Einsicht, dass der Tod uns nichts angeht, die Sterblichkeit des Lebens genussreich, indem sie uns nicht eine unbegrenzte Zeit dazugibt, sondern die Sehnsucht nach der Unsterblichkeit wegnimmt. Denn im Leben gibt es für den nichts Schreckliches, der in echter Weise begriffen hat, dass es im Nichtleben nichts Schreckliches gibt. Darum ist jener einfältig, der sagt, er fürchte den Tod nicht, weil er schmerzen wird, wenn er da ist, sondern weil er jetzt schmerzt, wenn man ihn erwartet. Denn was uns nicht belästigt, wenn es wirklich da ist, kann nur einen nichtigen Schmerz bereiten, wenn man es bloss erwartet.

Das schauerlichste Übel also, der Tod, geht uns nichts an; denn solange wir existieren, ist der Tod nicht da, und wenn der Tod da ist, existieren wir nicht mehr. Er geht also weder die Lebenden an noch die Toten; denn die einen geht er nicht an, und die anderen existieren nicht mehr. Die Menge freilich flieht bald den Tod als das ärgste der Übel, bald sucht sie ihn als Erholung von den Übeln im Leben. Der Weise dagegen lehnt weder das Leben ab noch fürchtet er das Nichtleben. Denn weder belästigt ihn das Leben, noch meint er, das Nichtleben sei ein Übel. Wie er bei der Speise nicht einfach die grösste Menge vorzieht, sondern das Wohlschmeckendste, so wird er auch nicht eine möglichst lange, sondern eine möglichst angenehme Zeit zu geniessen trachten.

Wer aber dazu mahnt, der Jüngling solle edel leben und der Greis edel sterben, der ist töricht, nicht nur weil das Leben liebenswert ist, sondern auch weil die Sorge für ein edles Leben und diejenige für einen edlen Tod eine und dieselbe ist.

Noch viel schlimmer steht es mit dem, der sagt: «Das beste ist, nicht geboren zu sein - wenn man aber geboren ist, so eilig als möglich zu den Toren des Hades zu streben.» Wenn er das nämlich aus Überzeugung sagt, warum scheidet er dann nicht aus dem Leben? Dies steht ihm ja frei, wenn er wirklich zu einem festen Entschlusse gekommen ist. Wenn es aber blosser Spott ist, so ist es ein einfältiger Spott bei Dingen, die Spott nicht vertragen.

4. Handelnkönnen und Determinismus I

Es ist ferner zu bedenken, dass die Zukunft weder vollständig in unserer Gewalt ist noch vollständig unserer Gewalt entzogen. Wir werden also niemals erwarten, dass das Künftige sicher eintreten wird, noch daran verzweifeln, dass es jemals eintreten werde.

5. Lust und Unlust

Ferner ist zu beachten, dass die Begierden teils natürliche, teils nichtige sind. Von den natürlichen wiederum sind die einen notwendig, die anderen bloss natürlich. Von den notwendigen die endlich sind, sind die einen notwendig zur Glückseligkeit, die anderen zur Ungestörtheit des Leibes, die dritten zum Leben überhaupt. Eine unverwirrte Betrachtung dieser Dinge weiss jedes Wählen und Meiden zurückzuführen auf die Gesundheit des Leibes und die Beruhigtheit der Seele; denn dies ist die Erfüllung des seligen Lebens. Um dessentwillen tun wir nämlich alles: damit wir weder Schmerz noch Verwirrung empfinden. Sobald einmal dies an uns geschieht, legt sich der ganze Sturm der Seele. Das Lebewesen braucht sich dann nicht mehr aufzumachen nach etwas, was ihm noch fehlte, und nach etwas anderem zu suchen, durch das das Wohlbefinden von Seele und Leib erfüllt würde. Dann nämlich bedürfen wir der Lust, wenn uns die Abwesenheit der Lust schmerzt. Wenn uns aber nichts schmerzt, dann bedürfen wir der Lust nicht mehr.

Darum nennen wir auch die Lust Anfang und Ende des seligen Lebens. Denn sie haben wir als das erste und angeborene Gut erkannt, von ihr aus beginnen wir mit allem Wählen und Meiden, und auf sie greifen wir zurück, indem wir mit der Empfindung als Massstab jedes Gut beurteilen. Und eben weil sie das erste und angebotene Gut ist, darum wählen wir auch nicht jede Lust, sondern es kommt vor, dass wir über viele Lustempfindungen hinweggehen, wenn sich für uns aus ihnen ein Übermass an Lästigem ergibt. Wir ziehen auch viele Schmerzen Lustempfindungen vor, wenn uns auf das lange dauernde Ertragen der Schmerzen eine grössere Lust nachfolgt. Jede Lust also, da sie eine uns angemessene Natur hat, ist ein Gut, aber nicht jede ist zu wählen; wie auch jeder Schmerz ein Übel ist, aber nicht jeder muss natürlicherweise immer zu fliehen sein.

Durch wechselseitiges Abmessen und durch die Beachtung des Zuträglichen und Abträglichen vermag man dies alles zu beurteilen. Denn zu gewissen Zeiten gehen wir mit dem Gut um wie mit einem Übel und mit dem Übel wiederum wie mit einem Gute.

Wir halten auch die Selbstgenügsamkeit für ein großes Gut, nicht um uns in jedem Falle mit Wenigem zu begnügen, sondern damit wir, wenn wir das Viele nicht haben, mit dem Wenigen auskommen, in der echten Überzeugung, dass jene den Überfluss am süssesten geniessen, die seiner am wenigsten bedürfen, und dass alles Naturgemässe leicht, das Sinnlose aber schwer zu beschaffen ist, und dass bescheidene Suppen ebensoviel Lust erzeugen wie ein üppiges Mahl, sowie einmal aller schmerzende Mangel beseitigt ist, und dass Wasser und Brot die höchste Lust zu verschaffen vermögen, wenn einer sie aus Bedürfnis zu sich nimmt. Sich also zu gewöhnen an einfaches und nicht kostspieliges Essen verschafft nicht nur volle Gesundheit, sondern macht den Menschen auch unbeschwert gegenüber den notwendigen Verrichtungen des Lebens, bringt uns in eine zufriedenere Verfassung, wenn wir in Abständen uns einmal an eine kostbare Tafel begeben, und erzeugt Furchtlosigkeit vor den Wechselfällen des Zufalls.

Wenn wir also sagen, dass die Lust das Lebensziel sei, so meinen wir nicht die Lüste der Wüstlinge und das blosse Geniessen, wie einige aus Unkenntnis und weil sie mit uns nicht übereinstimmen oder weil sie uns missverstehen, meinen, sondern wir verstehen darunter, weder Schmerz im Körper noch Beunruhigung in der Seele zu empfinden. Denn nicht Trinkgelage und ununterbrochenes Schwärmen und nicht Genuss von Knaben und Frauen und von Fischen und allem anderen, was ein reichbesetzter Tisch bietet, erzeugt das lustvolle Leben, sondern die nüchterne Überlegung, die die Ursachen für alles Wählen und Meiden erforscht und die leeren Meinungen austreibt, aus denen die schlimmste Verwirrung der Seele entsteht.

6. Die rechte Einsicht

Für all dies ist der Anfang und das grösste Gut die Einsicht. Darum ist auch die Einsicht noch kostbarer als die Philosophie. Aus ihr entspringen alle übrigen Tugenden, und sie lehrt, dass es nicht möglich ist, lustvoll zu leben ohne verständig, schön und gerecht zu leben, noch auch verständig, schön und gut, ohne lustvoll zu leben. Denn die Tugenden sind von Natur verbunden mit dem lustvollen Leben, und das lustvolle Leben ist von ihnen untrennbar.

Denn schliesslich, wen könntest du höher stellen als jenen, der über die Götter fromme Gedanken hat und der hinsichtlich des Todes vollkommen ohne Furcht ist, der das Endziel der Natur begriffen hat und der verstanden hat, dass die oberste Grenze des Guten leicht zu erfüllen und leicht zu beschaffen ist, dass aber die oberste Grenze des Übels entweder der Zeit oder dem Schmerze nach nur schmal ist?

7. Handelnkönnen und Determinismus II

Die Notwendigkeit aber, die einige als Herrin von allem einfuhren, <verwirf[...] als leere Meinung>. Denn besser wäre es, sich dem Mythos von den Göttern anzuschliessen, als sich zum Sklaven der Schicksalsnotwendigkeit der Naturphilosophen zu machen. Denn der Mythos deutet die Hoffnung an, dass die Götter durch die ihnen erwiesenen Ehren beeinflussbar seien; das Schicksal aber hat eine unerbittliche Notwendigkeit.

Den Zufall aber hält der Weise weder für eine Gottheit, wie es die Menge tut - denn Gott tut nichts auf ungeordnete Weise -, noch hält er ihn für eine unstete Ursache; denn er glaubt nicht, dass durch ihn Gutes und Übles zum glückseligen Leben den Menschen gegeben werde, wohl aber, dass er den Ausgangspunkt grosser Güter und Übel bilde. Für besser hält [der Weise] es, mit vemünftiger Überlegung Unglück zu haben als ohne Überlegung Glück zu haben. Denn schöner ist es, wenn beim Handeln der rechte Entschluss <nicht zur rechten Erfüllung kommt, als wenn ein unrechter Entschluss> durch den Zufall zu rechter Erfüllung gelangt. [Die Textüberlieferung in Abschnitt 7 ist nicht gerade ideal!]

8. Schlusswort

Dieses und was dazu gehört, überdenke Tag und Nacht in dir selber und zusammen mit dem, der deinesgleichen ist. Dann wirst du niemals, weder im Wachen, noch im Schlafen, beunruhigt werden, und du wirst unter den Menschen leben wie ein Gott. Denn keinem sterblichen Wesen gleicht der Mensch, der inmitten unsterblicher Güter lebt.
Ende Brief

Klar ist mir davon vieles fremd. Unsinn sogar, aber mehr als 2200 Jahre her und somit weit weit von den heutigen Erkenntnissen entfernt und doch in vielem immer noch nah und stimmig. Erstaunlich manchmal, wie langsam die Entwicklung doch voranschreitet, obwohl es Manchen von Uns zu schnell geht, Manchen aber auch zu langsam.
Da weiss Eines was, und bis es Viele Andere wissen, dauert es Jahrtausende; und das noch erstaunlichere ist, dass es noch Viele Mehr nie wissen werden, obwohl es wichtig und manchmal sogar grundlegend ist? Noch reicht dem DaSein zum weiterhin DaSein das Glauben und nur sehr sehr sehr geringes Wissen in nur sehr sehr Wenigen verteilt, ob-s ich das jemals ändern wird?