Dienstag, 17. Juli 2012

Nur Ein Mensch

Wie beurteilt ein Mensch, das dem Tode nahe ist, welches völlig Umständen, die von -Es Selbst nur im ->Millisekundenbereich pro einem Tag<- selbst zu bestimmen sind, welches völlig ausgeliefert ist, also fast komplett abhängig ist von äusseren Bestimmungen, die von anderen Menschen total, und mit allerbrutalster Absolutheit dominiert werden; Wie beurteilt ein solches Mensch, das Mensch-Sein und mehr noch, das Menschheit?

Ein Beispiel dafür habe *ich vor Jahren gefunden, und *mich nur gewundert, und war völlig beschämt, weil *ich ein-Es (zumindest ein Nachgeboren-Es) dieser allerbrutalsten äusseren Bestimmungen bin; aber auch hoch erfreut, weil das Buch, aus dem die nun folgenden Zeilen sind, auch einen Ausweg aus einer Gegnerschaft zueinander, aus einer Zwiespältigkeit (Trennung) voneinander, wiesen, ohne dabei die Brutalität und das Entsetzen zu überdecken, das zu den Einsichten geführt hat.

Der Autor:
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Robert Antelme, 1917 - 1990
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Ein Auszug:

[...]
Eine Lampe geht an: der Kerl kauert im Lichtbündel der Lampe.
"Scheisse, Scheisse!" brüllt der Kapo.
Der Kapo schlägt zu, der Kerl fällt.
"Scheisserei, Scheisserei!" wimmert der Kerl.
"Was, Scheisserei, Schwein!"
Wenn es plötzlich im Saal hell werden würde, sähe man ein Durcheinander von gestreiften Lumpen, von schrumpeligen Armen, von spitzen Ellbogen, von lilafarbenen Händen, von riesigen Füsse; zur Decke hin geöffnete Münder, mit schwärzlicher Haut bespannte Gesichter, die Augen geschlossen, Totenschädel gleiche Formen,  die sich jedoch nie ähneln werden, leblos und wie auf den Schlamm eines Teiches gelegt. Man würde auch Einzelne dasitzen sehen, ruhige Irre, die in der Nacht ihren Hundekuchen kauen und wieder andere, die vor der Türe stehen und auf der Stelle trippeln, zusammengekrümmt.
*
Das Tal draussen ist dunkel. Kein Geräusch dringt von dort her.
Die Hunde schlafen einen gesunden satten Schlaf. Die Bäume atmen ruhig. Die nächtlichen Insekten suchen auf den Wiesen ihre Nahrung. Die Blätter schwitzen, und die Luft saugt sich mit Wasser voll, die Wiesen bedecken sich mit Tau und werden nachher in der Sonne funkeln. Sie liegen da ganz in der Nähe, man muss sie berühren, diesen riesigen Pelz streicheln können. Was lässt sich streicheln, und wie streichelt man? Was ist sanft unter den Fingern, was ist überhaupt da, um gestreichelt zu werden?
Nie ist man der Gesundheit der Natur gegenüber so aufgeschlossen gewesen. Nie ist man auch so nahe daran gewesen, eins zu werden mit der Allmacht des Baums, der sicherlich auch morgen noch lebendig sein wird. Man hat alles vergessen, was in dieser starken Nacht stirbt und verwest, auch die einsamen und kranken Tiere. Wir haben den Tod von den Dingen der Natur verjagt, weil wir in ihr keinen Geist sehen, der sich gegen die Dinge stellt und sie verfolgt. Wir fühlen uns so, als hätten wir jede mögliche Verwesung aufgesogen. Was in diesem Saal ist, erscheint als die aussergewöhnliche Krankheit, und unser Tod hier als der einzig wirkliche. Den Tieren so ähnlich, ist jedes Tier für uns etwas Grossartiges geworden; jeder verwesenden Pflanze so ähnlich, erscheint uns das Schicksal dieser Pflanze ebenso prachtvoll wie dasjenige, das durch den Tod im Bett zu Ende geht. Wir sind so weit, dass wir allem ähneln, das nur noch kämpft, um zu essen, und stirbt, wenn es nicht isst, wir sind so weit, dass wir auf der gleichen Ebene stehen wie eine andere Gattung, die nie die unsere sein wird und der wir doch entgegenstreben; aber diese Gattung, die wenigstens nach ihrem eigenen authentischen Gesetz lebt - Tiere können nicht tierischer werden -, erscheint ebenso grossartig wie unsere »wirkliche«, deren Gesetz es durchaus sein kann, uns hierher zu bringen. Aber es gibt keine Zweideutigkeit, wir bleiben Menschen, wir werden nur als Menschen enden. Die Entfernung, die uns von einer anderen Gattung trennt, bleibt erhalten, sie ist nicht historisch. Es ist ein SS-Traum zu glauben, unsere historische Mission sei es, zu einer anderen Gattung zu werden, und da diese Verwandlung zu langsam stattfindet, töten sie. Nein, diese aussergewöhnliche Krankheit ist nichts anderes als ein Höhepunkt in der Geschichte der Menschen. Und das kann zweierlei bedeuten: zunächst einmal, dass wir die Beständigkeit dieser Gattung unter Beweis stellen, ihre Unveränderlichkeit. Und dann, dass die Vielfalt der Beziehungen zwischen den Menschen, ihre Hautfarbe, ihre Sitten und Gebräuche, ihre Aufteilung in Klassen, eine Wahrheit verdecken, die hier am Rande der Natur, wo wir an unsere Grenzen gekommen sind, ganz deutlich zutage tritt: es gibt nicht mehrere menschliche Gattungen, es gibt nur eine Gattung Mensch. Und weil wir Menschen sind wie sie, wird die SS letztlich nichts gegen uns ausrichten können. Und weil sie versucht haben, die Einheit dieser Gattung in Frage zu stellen, werden sie am Ende vernichtet werden. Aber ihr Verhalten und unsere Lage sind nur die Überzeichnung, die auf die Spitze getriebene Karikatur - in der sich sicherlich niemand wiedererkennen will noch kann - von Verhaltensweise, von Situationen, die es in der Welt gibt und die sogar jene alte »wirkliche Welt« sind, von der wir träumen. Tatsächlich verhält sie sich so, als gäbe es mehrere Gattungen - oder genauer, als ob die Zugehörigkeit zur Gattung Mensch nicht sicher sei, als könne man da ein- und ausgehen, nur halb dazugehören oder ganz dazugehören oder nicht einmal im Verlaufe von Generationen dazugehören - die Aufteilung in Rassen oder in Klassen gehört zu Richtschnur und erhält das immer bereite Axiom, die letzte Verteidigungslinie:
»Das sind keine Leute wie wir.«
Hier nun ist das Tier ein Luxusgeschöpf, der Baum ist eine Gottheit, und wir können weder Tier noch Baum werden. Wir können es nicht, und die SS kann uns nicht dazu bringen. Und ausgerechnet in dem Augenblick, in dem die Maske ihren hässlichsten Ausdruck angenommen hat, in dem Augenblick, in dem sie unser Gesicht werden wird, fällt sie. Und wenn wir dann das denken, was hier sicherlich das Beachtlichste ist, was man denken kann: »Die SS-Leute sind Menschen wie wir«; wenn wir zwischen den SS-Leuten und uns - das heisst im Augenblick der grössten Distanz zwischen den Menschen, im Augenblick, in dem die Grenzen der Unterwerfung der einen und die Grenzen der Macht der anderen in einer übernatürlichen Beziehung erstarrt zu sein scheinen - im Angesicht der Natur und im Angesicht des Todes keinen wesentlichen Unterschied sehen können, müssen wir sagen, dass es nur eine menschliche Gattung gibt. Dass alles, was diese Einheit in der Welt verstellt, alles das, was die Menschen in die Situation von Ausgebeuteten, von Unterjochten bringt und gerade dadurch das Vorhandensein verschiedener Gattungen implizieren würde, falsch und wahnsinnig ist; und dass wir hier den Beweis dafür haben, und zwar den unwiderlegbarsten Beweis, denn selbst das ärmste Opfer kann nichts anderes tun als festzustellen, dass die Macht des Henkers selbst bei seinem schlimmsten Tun immer nur die eines Menschen sein kann: die Mordmacht. Er kann zwar einen Menschen töten, aber er kann ihn nicht in etwas anderes verwandeln.
*
Als ich die Augen aufgemacht habe, war es heller Tag; der Himmel war milchig, bleich. Ich hatte einen trockenen Mund und war durstig. Um mich herum schliefen die Kameraden, in Haufen dicht aneinander gedrängt, die leeren Hundekuchensäcke neben sich. Man hörte kein Geräusch. Der SS-Wachposten stand noch immer vor der Tür.
[...]

Ende Auszug
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Robert Antelme
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Aus diesem Buch ist der Auszug
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Die Zwiespältigkeit ein Mensch zu sein
und
Die Vielfältigkeit Mensch zu sein.

Samstag, 14. Juli 2012

Ein Geld-Gedicht

Mir ist zu Ohren gekommen, dass das philosophieren vom Geld oder auch nur das Einordnen, das Erklären oder sonstwas ohne Geld, mit Geld, zu leichtem Überdruss führt. Das Mensch hat gerne Geld, oder kommt ohne gerade so klar, aber davon geredet wird inzwischen zuviel. Schluss damit, rufen die Meisten, die, die haben und die, die nur wenig haben gleichermassen, ausser, ja. Ausser, es ist 'was wirklich Neues, was wirklich provolutionäres, also 'was, 'was Uns einen neuen Horizont eröffnet und die Schulden etwas kleiner macht oder 'was hilft die Schulden zu beseitigen, aber sonst ...
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Forschung, Forschung, Forschung, um dann festzustellen, dass Mensch nichts davon hat, ausser Erkenntnis, aber kann Mensch Erkenntnis essen? Geld kann Mensch auch nicht essen, obwohl, aber macht weder satt, noch ist es schmackhaft, aber Es (ja, Es) ist verkäuflich, ganz direkt und sofort, wie ist das mit Erkenntnis?
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David Hockney, "Pearblossom Highway"
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Geld-Zahlen:
Alle folgenden Beträge sind in Euro und es sind Alles Circa-Beträge aus dem Jahr 2011.
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Wert Aller an den Welt-Börsen gehandelten Aktien: 45 Billionen
Wert Aller Weltweit ausgezahlten Löhne und Gehälter: 42 Billionen
Wert Aller weltweit produzierten Wirtschaftsgüter: 50 Billionen
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Die weltweiten StaatsSchulden betragen: 40 Billionen
Die weltweiten PrivatVermögen betragen: 100 Billionen
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Der Wert aller GeldWetten (Optionen, Swaps, ...) beträgt: 1,5 Billiarden
(1500 Billionen)
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In Deutschland:
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PrivatVermögen: 9 Billionen
Die Hälfte, also 4,5 Billionen ist im Besitz von 810.000 Menschen, also etwa 1% der Gesamt-Bevölkerung von 81 Millionen Menschen.
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Wenn Sie ein wenig mehr Zahlen und Daten zu Reichtum und Geld recherchieren wollen, dann fangen Sie doch hier an: http://de.wikipedia.org/wiki/Millionär.
Dort sind auch weitere Links zum Thema angegeben.
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VorRede zum Geld:
Geld ist ein Mittel, ist ein Gegenstand, ohne Emotionen, jedoch für jegliche Emotionen gut, aber ohne Gefühl dafür, was mit Es (Geld) passiert, oder gar, was mit den Es Besitzenden passiert.
Es ist wie ein Strick, Mensch kann damit etwas zusammenhalten, etwas befestigen, damit es erhalten bleibt, Mensch kann damit aber auch erwürgt, stranguliert werden, dem Strick ist das mit es geschehene dabei fast völlig egal.
Dem Geld auch.

Und nun?

Ein Geld-Gedicht:
Geld ist Materie mit viel Phantasie. Das ist doch Was!?
Materie mit Phantasie, damit der Schöpfung Gleich. Gleich ist Ähnlich!
Geld ist dem Menschen Gleich, jedoch nicht das Selbe.
Nur ein Mensch ist ein Selbst.
Jedes Mensch ist ein Selbst.
Geld ist ohne Selbst, aber mit viel Phantasie und aus Materie.
Ist Phantasie mit Materie, oder ist Phantasie ohne materielle Grundlage, ohne Gemüt, ohne "Herz"?
Das Mensch ist dem Geld Gleich, aber inzwischen fast ohne Phantasie.
Phantasie ist ein Vermögen und damit dem Geld Gleich.
Geld ist ein Vermögen und damit Gleich der Phantasie.
Geld ist phantastisch. Geld = Phantasie.
Was viel Geld hat, hat viel Phantasie, das dann aber im Selbst fehlt.
Die Phantasie steckt im Geld und fehlt im Selbst.
Im Geld ist die Phantasie Selbst-Los.
Ein Selbst ohne Phantasie, hat auch viel Geld.
"Künstler" ohne Phantasie, haben viel Geld.
Nur Menschen, die Phantasie für käuflich halten, haben viel Geld.
Die Phantasie steckt im Geld drinn.
Kapitalismus ist ein phantastisches Wirtschafts-System.
Das Mensch ist die Quelle und als solche fast unerschöpflich.
Das Geld wird mehr und mehr und mehr und mehr ...
Das Mensch gibt reichlich ab.
Je mehr Phantasie das Mensch in das Geld steckt, umso weniger bleibt für den Menschen.
Einfache Rechnung oder Spekulation?
Der Kapitalismus ist vom Menschen geschaffen worden, um von der Phantasie befreit zu sein.
Denn dem Glauben ist die Phantasie ein Greuel.
Und das Mensch glaubt lieber.
Dem Glauben ist die Phantasie fremd.
Denn, ist Gott eine Phantasie, oder ein Druckmittel?
Ist das Paradies eine Phantasie, oder eine Quelle der Scham?
Die Phantasie ist Leichtigkeit, dem Glauben ist das fremd.
Hier endet das Gedicht.

Hier beginnt die Phantasie.
Wenn Sie nachrechnen, hat auf etwa der Hälfte des gesamten Geldes der Menschheit und des darin und daneben angesammelten Vermögens, ungefähr EIN Prozent der jeweils existierenden Menschen die Hände drauf.
Die AnZahl des Geldes, welches zwischen den Banken und deren Computern und Börsen hin und her gerechnet und auf und abgezählt wird, ist inzwischen (2012) über 16 (sechzehn) mal höher, als die Summe aus allen menschenweit gezahlten Löhnen (etwa 42 Billionen Euro) und (+) dem Wert aller menschlicher Gewerke und Unternehmen (etwa 50 Billionen Euro). 
15oo Billionen geteilt durch 92 Billionen ist 16,304... 
Da steckt doch enorm viel Phantasie drinn, oder?
Und die fehlt in Uns Allen. Wir lagern die Phantasie aus, und tun damit wenig wertvolles und kaum etwas für uns Alle vorteilhaftes. Warum?

Weil die Phantasie eine lebendige Grundlage braucht, die das Geld nicht bietet.
Warum haben die Allermeisten so viel Angst vor der Phantasie?

Was folgt dem Kapitalismus, dem Geld-WirtschaftsSystem nach?
Oder gehen Wir damit unter (die Erde)? Lesen Sie dazu auch eine aktuelle Bewertung mit dem Titel "Von der Tarnung der Wirklichkeit", vom Juli 2012, im VerantwortenBlog.
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Hiermit fordere ich die Phantasie auf in mich (zurück?) zu kommen. Wenn sie schon sonst anscheinend NieMensch brauchen kann, Oliver-August Lützenich kann. Danke.