Samstag, 14. Juli 2012

Lutsch dich doch selbst, vor S

Was (Sie + Er = Was) die HimbeerDrops auf der A40 kennt, kennt auch S: Was S kennt, kann auch S verstehen; und Was die Lebendigkeit auch in der Verzweiflung und der Not und der Ausgesetztheit kennengelernt hat und der weitgehenden Freiheit von Vernunft, Das kann auch den Dialog verstehen, der-s ich vor S abgespielt hat oder auch nur in dessen Phantasie.
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Ed Rusha, "Laugh Tomorrow"
Or whenever You want to.
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AproPo Phantasie

S sitzt nach dem Verhör vor der Polizeiwache auf einer Bank und lässt das Geschehene der vergangenen Stunden sacken, als zwei Männer vor S aufeinander treffen. S versteht die Männer kaum, weil sie so nuscheln, aber was S versteht, hört-s ich in S in etwas so an:

E: Hey, Du alter Schwanzlutscher, gehst Du wieder, um deiner Frau beim Fremdgehen zuzuschauen, ha!?
A: Hallo, Du Arschficker, führst Du wieder grosse Reden, dann lass aber meine Frau aus dem Spiel; meine Frau vögelt wenigstens seit Jahren mit dem Selben, während deine es mit der ganzen Nachbarschaft treibt.
E: Ach, hör mir doch auf, Du willst doch nur erreichen, dass ich Dir deinen dünnen Lappen anfeuchte, aber das kannst Du vergessen.
A: Ich weiss, ich weiss, Du stehst mehr auf verkrustete Arschringe, aber damit kann ich Dir nicht dienen, mein Arsch bleibt sauber.
E: Ha, vor allem hast Du bei deinen ständigen Durchfall ein viel zu enges Arschloch, ich hab gar keine Lust mich darin wundzureiben.
A: Von wegen dicken Schwanz, wenn Du dich auch mal zwischendurch waschen würdest, bliebe davon wenig übrig, deiner steht doch überhaupt nur noch wegen der Krusten.
E: Ja, ja, ich kenne euch OralFetischisten ganz genau, die Hälfte des Tages steht ihr am Waschbecken und die andere Hälfte holt ihr euch vor dem Spiegel einen runter, alles ganz sauber, oder gleich ins Waschbecken hinein, wann esst ihr eigentlich.
A: Geh mir doch wegg, wenigstens schaue ich meinen Lutschern offen ins Gesicht, während Du anderer Leute Scheisse quirlst und dabei hinter deren Rücken Grimassen ziehst.
E: Ist ja gut, kommst Du nun mit auf einen Café und einen Klaren?
A: Können Wir machen, aber Du erzählst mir dabei, wie das mit P so gelaufen ist beim hintenrum treiben.
E: Wenn Du mir dabei vorne einen bläst, erzähle ich Dir alles, was Du dazwischen wissen willst.

Die Beiden gehen ab. Aber hatte S die beiden Männer richtig verstanden? Oder ging die Phantasie mit S durch? Nach dieser Raserei, der vergangenen Stunden.
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Nebenbei:
Ach, ich mag einfach auch die Ausflüge ins Derbe, ins Riechende, ins Feuchte, auch die lohnt es zu erkunden, gerade sprachlich, auch wenn ich weiss, dass ich nie ein Bukowski, oder ein de Sade werde, dazu fehlen mir einfach deren Erlebnisse, aber die Vorstellung und die Phantasie auch darin einzuschreiben erweckt Freude und Lachen, wenigstens bei mir. Und, lesen Sie doch noch mal die Phantasie zum Geld: "Ein Geld-Gedicht", ich vermute da steckt weniger Phantasie drinn, als in S.

Dienstag, 10. Juli 2012

HimbeerDrops auf der A40

Habe ich Ihnen schon folgendes erzählt? Nicht? Dann wird es aber RaumZeit für eine kleine Schauergeschichte (kennen Sie auch den Ausdruck: Räuberpistole?) aus dem deutschen Autobahnnetz, eine wirklich unglaubliche Geschichte, die so doch nun wirklich nicht passiert sein kann, oder?
Aber urteilen Sie selbst:

S fährt schnell. S spürt eine leichte Aufgeregtheit, obwohl S die Strecke kennt. Von Aachen nach Berlin, auf der BundesStrasse 1. Es ist 22 Uhr. 150 km/h. Irgendwo bei Bochum, hier ist es die A40.
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Hab ich schon getankt, bin ich vielleicht deshalb nervös, fragt S? Ein kurzer Blick auf die Tankanzeige. Noch etwa bei der Hälfte, aber S könnte einen kurzen Stop vertragen. Das Herz pumpt ungemütlich. Was ist nur los, grummelt S? Die nächste Tankstelle fahre ich runter, denkt S. S fasst in die rechte Brusttasche der Jacke und spürt nach den HimbeerDrops und dem  Damenrevolver, einer Ruger 357, klein und handlich, den S immer auf nächtlichen Fahrten mitnimmt.
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S nimmt einen HimbeerDrops aus der kleinen Tüte und in den Mund damit. Vielleicht löst das Lutschen die Spannung? Mhh, ja. Immer wieder ein Genuss, die HimbeerDrops, ja, die Aufgeregtheit lässt etwas nach. Noch 500 Meter bis zur Tankstelle an der Darpestrasse.
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Runter vom Gas, langsam auslaufen lassen, Blinker anwerfen und rechts ranfahren. Leichte Vorfreude auf ein kurzes Beine vertreten. Ahh, da ist eine freie Säule. Links ran, bremsen, gut, jetzt dürfte es etwa auf Höhe des Tankdeckels sein, Motor abstellen. S steigt aus, geht um den Wagen herum, hebt die Zapfpistole an den Einfüllstutzen und lässt den Diesel langsam in den Tank einlaufen. 5 Liter, 10 Liter, 15 Liter, 20 Liter, langsam auslaufen lassen, die Zapfpistole wieder an der Säule einrasten lassen, Tankdeckel drauf, zur Kasse, 37€. Vielleicht noch eine Packung Himbeerdrops?
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Ich bevorzuge eine andere Marke.
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Ach nein; S hat noch genug. Zurück zum Auto. S öffnet die Tür, da kommt K auf S zu. Können Sie mich bis Dortmund mitnehmen? Woher wollen Sie wissen, dass ich bis dorthin fahre? Na, die Meisten fahren mindestens bis Dortmund. Nehmen Sie mich mit? S nimmt nie Anhalter mit, aus Prinzip, einmal schlechte Erfahrung mit einem Anhalter gemacht, der die ganze Fahrt, 2 einhalb Stunden, ununterbrochen geredet und geflennt hat, schrecklich!; seitdem hat S Keines mehr mitgenommen, aber K steht nun schon an der Beifahrertür und es war ja nur bis Dortmund. Also gut, steigen Sie ein. S steigt ein, anschnallen, K steigt zu, S startet den Wagen und fährt langsam los. K schnallt-s ich nicht an. S fragt stumm, ist das Vertrauen in meine Fahrweise oder Dummheit? Langsam beschleunigen, hinaus aus der Tankstelle, zur Ausfahrt und zurück auf die B1, die hier immer noch die A40 ist, der Ruhrschnellweg. S greift wieder in die rechte Brusttasche der Jacke und holt einen HimbeerDrops heraus, möchten Sie auch einen, zu K gewendet? K schaut kurz auf den HimbeerDrops und schüttelt verneinend, mit einer leicht verächtlichen Miene den Kopf. S sagt, ich habe immer genügend HimbeerDrops dabei, die sind sehr beruhigend und schmecken vorzüglich, möchten Sie wirklich nicht? Irgendwie die Stimmung anheben, denn K sitzt zusammengesunken und irgendwie angespannt auf dem Beifahrersitz, jetzt, wo S wieder die Fassung zurückgewonnen hat, vielleicht durch den kurzen Tankstop und das Beine schütteln und bewegen.
So, jetzt wieder schön Gas geben, der Tank ist voll und je eher ich in Dortmund bin, umso schneller bin ich diesen K wieder los, denkt S. K schweigt und schaut aus dem Beifahrerfenster, die Bäume und Sträucher rauschen vorbei, dunkelgrau, bei Nacht. S lutscht und greift noch einmal in die rechte Brusttasche. Habe ich noch genügend HimbeerDrops?  Ja, die Packung ist noch ziemlich voll, das dürfte bis Berlin reichen, denkt S. Ausfahrt Bochum-Werne. 160 km/h schnell, weit vorne ein einsamer LKW, hinten eine breit gestreute Lichterkette der Nachfahrenden. Noch zwei Kilometer bis zur Ausfahrt Dortmund-Lütgendortmund. K atmet hörbar ein und stiert dabei nach vorne. Soll ich K vielleicht doch noch einmal einen HimbeerDrops anbieten, fragt S stumm? Aber nein, K hat den ersten Versuch fast barsch abgelehnt, K ist kein Mensch das Süsses mag, vielleicht mag K einen Kaugummi, fragt S stumm?
K fasst in die Innenseite des Mantels und atmet noch einmal hörbar ein. Wo habe ich denn die Kaugummis, fragt S leise. K schreit auf: He! Wo ist dein Geld!? K hat ein Springermesser aus dem Mantel geholt und zielt damit auf S. Los, sag schon, wo ist dein verdammtes Geld, du hast doch Geld!? K sticht mit dem Messer auf S zu, vor und zurück. S ist erschrocken, noch keine Panik; was soll das denn!? S schaut auf das Messer und auf die Strasse, immer noch 160 km/h, schaut auf K. K schreit, Los mach endlich den Mund auf, wo ist dein Geld!! und zielt dabei mit der Messerspitze auf den Hals von S.
S kann nicht denken, S kann nur reagieren, S sagt verdattert zu K, es ist im Handschuhfach. K schaut zum Handschuhfach und nimmt dabei das Messer etwas von S wegg. S greift mechanisch aber gezielt und schnell mit der Linken in die rechte Brusttasche der Jacke, ergreift den Damenrevolver, entsichern, der erste Schuss trifft K in die Messerhand, der zweite Schuss kurz über dem linken Knie, die nächste Bewegung macht der rechte Fuss, voll auf die Bremse, von 150 auf 0 in wenigen Sekunden. K schlägt mit dem Kopf voll auf die Oberseite des Armaturenbretts, das Springermesser fällt zwischen Mittelkonsole und Bremspedal auf den Boden. S gibt wieder Vollgas. K fällt benommen auf den Sitz zurück. K schreit vor Schmerzen, Überraschung und Angst laut auf, und lässt den ersten Schrei in einem Jammern ausklingen. S fährt auf den rechten Begrenzungsstreifen, kurz nach der Ausfahrt Dortmund-Lütgendortmund und hält an.
S schreit nun auch, vor Wut, Überforderung und Abscheu zu K. Sofort hinaus aus dem Wagen!! Sofort hinaus, oder Sie sind tot, Los, machen Sie das Sie aus dem Auto kommen!! S fasst zur Beifahrertüre, stösst sie auf und schreit noch einmal, Hinaus, los!! K fällt mehr aus dem Wagen, als auszusteigen. S gibt Vollgas, die Türe fällt zu, fast hätte S mit Links einen gerade vorbeifahrenden LKW berührt, das Steuer noch etwas herumgerissen, und weiter Vollgas auf der Standspur, vor dem LKW auf die Autobahn zurück, nur wegg hier, wegg, wegg, wegg! Atem holen, schnell und kurz.
Was ist da gerade passiert? Um Himmels willen, ich habe einen Menschen angeschossen, stösst S hervor. Um Himmels willen, was ist nur in mich gefahren, ich hätte die Situation doch auch anders lösen können. Ohne zu schiessen. Was mache ich jetzt nur, ich kann doch K nicht einfach so liegen lassen? Himmel, Himmel, Himmel!, was ist nur passiert, was ist in mich gefahren. Die A40 ist zu Ende, - Dortmund ist erreicht, S fährt viel zu schnell -, und wird nach dem Rheinlanddamm zum Westfalendamm.
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Langsamer fahren. Langsamer. Ganz langsam. Atmen, ganz bewusst atmen. Ein Polizeifahrzeug steht am Strassenrand, zwei Polizisten gehen darauf zu. S fährt hinter dem Polizeiwagen an den Strassenrand, macht den Motor aus, steigt aus und läuft auf die beiden Polizisten zu, die gerade am Fahrzeug angekommen sind. Sie bemerken S und greifen unbewusst an die Gürtel. S hebt die Hände und geht nun auf einen Polizisten zu. Bitte greifen Sie mir in die rechte Brusttasche, sagt S, dort ist eine Waffe drinn, S hebt die beiden Hände noch höher. Der Polizist stutzt, der Kollege greift an seine Pistole, der Polizist fragt, sind Sie sicher? S sagt, ja, bitte greifen Sie mir in die rechte Brusttasche. Der Polizist greift in die rechte Brusttasche, neben die HimbeerDrops und holt den Damenrevolver heraus. Der Kollege fragt, was ist passiert? Atemlos und fasst ein wenig schluchzend erzählt S den Polizisten die Ereignisse der vergangenen 10 Minuten. Bitte, bitte, rufen Sie schnellstens einen Krankenwagen und schicken Sie ihn zur Autobahnausfahrt Dortmund-Lütgendortmund in Richtung Dortmund, dort muss K noch liegen, schnell!; sonst verblutet K. Der Kollege reisst die Beifahrertüre auf und nimmt das Funkmikro. Er schildert in kurzen knappen Worten die Situation und fordert die Zentrale auf schnellstens einen Krankenwagen anzufordern und zur Ausfahrt Dortmund-Lütgendortmund Richtung Dormund zu schicken. Der andere Polizist fordert S nun auf, mit auf die Wache zu kommen. Polizisten fordern gerne. S bittet darum, mit dem eigenen Wagen dem Polizeifahrzeug folgen zu dürfen, ob ein Kollege bei ihm mitfahren könne? S hat immer noch die beiden Arme über dem Kopf. Der Polizist klopft S ab, von den Ärmeln über die Schultern, zwischen den Beinen, bis zu den Schuhen, während der Kollege sichert und sagt anschliessend, ja, ich komme mit Ihnen mit.
Ende.

Und, kommen Sie auch mit?

Eine Frage: Welches Geschlecht haben Sie S und K verpasst? Na gut, da ich es nie erfahren werde, nehmen Sie es als soziologischen Selbst-Versuch, und seien Sie ehrlich, bitte.
Für mich war S beim Schreiben eine Frau und K ein Mann, aber es kann auch anders herum sein, oder 2 Männer oder 2 Frauen oder 1 Mensch und ein Alien ...