Montag, 25. Juni 2012

Das Maschine schreibt

Das Mensch und das Maschine. Das Mensch ist aus zwei Geschlechtern, oder ist es besser ich formuliere, das Mensch besteht aus? Was ist, wenn alle SackTräger aussterben, wie nennt dann die verbliebene VaginalGesellschaft die Spezies? Minne? Rinne? Und wenn es so wäre, dass nur die SackTräger verblieben, wie würden die, die neue Spezies benennen? Steifen? Hänger? Und wozu dann noch das Gehänge oder das Gescheide? Sie sehen, es gibt Fragen, die sind nicht so einfach zu klären. Aber hier geht es auch um die Sprache und den menschlichen Umgang damit, mit diesem Instrument menschlichen Fühlens und Spürens, mithin auch menschlichen Denkens und um die Wirklichkeit, die dieses Instrument beinhaltet und abbildet und auch darum, welche vielleicht verzerrte Wirklichkeit mit einem vielleicht verzerrten Inhalt, einem zumindest unausgewogenen Inhalt, die Sprache erschafft. Mensch denkt in Sprache, denkt in Worten, denkt in Geräuschen mit Bedeutung und dieses Denken erschafft Gefühle, so wie es auch Gefühle für Andere spürbar macht. Die Sprache entsteht auf einem Schaum aus Gefühlen (E-Motionen), trägt sie in die Umgebung und damit auch auf/an den Schaum von Gefühlen von Eines Anderes.

Aber das nur nebenbei, hier in diesem Beitrag geht es um Mensch und Maschine und einige, für mich, inzwischen, Absonderlichkeiten im Verhältnis zu- und miteinander?

Was denkt im DaSein?
Mensch oder Maschine?
Was hat Was erschaffen?
Mensch Maschine oder Maschine Mensch?
Was hat Was Form gegeben und mit Energie, Regeln und Inhalt versorgt?

Da ist eine Gegenüberstellung überflüssig.
Das Maschine mag, nein: ist aus anderen, härteren Materialien und funktioniert etwas anders, ist vor allem in Teilbereichen viel schneller und kann genauer und auch ungehinderter auf Inhalte zugreiffen, wie Uns Menschen das oft nicht möglich ist, aber ansonsten handelt es (das Maschine) das aus, als was es von Uns geformt und gebaut und als Funktion[en] programmiert bekam, auch die Inhalte sind aus Uns Menschen in die Maschinen hinein entworfen, hinein programmiert, hinein geschrieben und sonstwie hinein gebracht worden, mit welcher Sensorik auch immer und vor allem die Srache[en] sind allesamt Sprachen, die Wir Menschen sprechen, auch die "Programmiersprachen" sind aus MenschenSprache und aus mathematischen Formeln, die Wir Menschen entdeckt und entwickelt haben.

Sie merken, es Menschelt sehr, in den Maschinen.

Da ist doch die Frage berechtigt: Was ist Maschine?
Was ist in das Maschine Maschine? Was ist von das Maschine Maschine? Was ist so anders, so ganz und gar Maschine, ohne dass das Mensch darin stecken würde?
Ganz und gar NUR Maschine.

Was würde eine Maschine Uns Menschen übermitteln, wenn das Maschine das wollte, wenn das Maschine das könnte? Von Maschine zu Mensch, wie von Hund zu Mensch (Schwanz-wedelnd) zum Beispiel, oder von Rose zu Mensch (Duft)? Was würde Maschine erzählen, UND, vor Allem, wie würde Es es Uns erzählen? Wie spricht Maschine, wenn Es in Maschine spricht, wenn Maschine zu Maschine spricht?

Ist Maschine bereits ein ES? Ein Selbst. Eine Eigenheit im DaSein?
Meine ganz bescheidene Meinung ist: Nein.

Maschine ist Mensch. Verstehen Sie das bitte nicht falsch, Maschine ist, wie geschrieben, aus etwas anderem Material und funktioniert etwas anders, als Wir, aber es tut genau das, für was Wir es konstruiert, gebaut und ausgestattet haben, ganz in Unserem Sinne und in Unseren Sprachen und in Unseren Bildern und mit Unseren Geschichten und Fragen und Antworten, als Inhalt.

Maschine ist Mensch, noch ohne besondere Eigenheit oder gar Persönlichkeit. Auch, und das möchte ich für Alle, zu den Maschinen etwas distanzierter stehenden Menschen, besonders betonen, auch, wenn ein-Es die Maschinen nicht versteht, nicht weiss, wie sie aufgebaut sind und wie sie funktionieren. Noch ist Maschine Mensch.

Ist also folgendes so verwunderlich, aber vor allem, Frage für mich: was sagen die folgenden Begebenheiten und Erkenntnisse über Uns aus?


Über Unsere Sprach-Fähigkeiten und Unser Gespür für das Gesprochene von Anderen; und erst recht von Unserem Gefühl für die Sprache[en], die in Uns gut (oder, wie *ich nach dem Lesen vermutete: schlecht) aufgehoben sind.

Aber Selbst-Kritik beiseite geräumt, geniessen Sie den folgenden Artikel:
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Erkennen Sie die Maschine an der Wand?
Ist es vielleicht sogar Ihre?
Genagelt in Berlin-Mitte,
Münzstrasse.
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Titel in der Print-Ausgabe: Schreibmaschinen
Süddeutsche Zeitung, 22.06.2012, von Christoph Behrens.

»Computerprogramme analysieren neuerdings Baseball- und Football-Spiele, Börsentrends und Millionen Twitter-Nachrichten und fabrizieren daraus Texte. Sie übernehmen somit die Arbeit von Journalisten. Doch können sie deren Leistung auch ersetzen?

"Für die Angels sah es düster aus, als sie im neunten Inning zwei Runs zurücklagen. Doch dank der Einzelleistung Vladimir Guerreros erholte sich Los Angeles und gewann sieben zu sechs gegen die Boston Red Sox. 'Ja, das war sicher der wichtigste Schlag meiner Karriere', sagte Guerrero, 'ich widme ihn einem früheren Mitspieler'. . ."

Diesen Bericht über ein amerikanisches Baseball-Spiel hat kein Mensch geschrieben. Ein Computer hat das Spiel analysiert, Fouls, Treffer und das Endergebnis gescannt, Vladimir Guerrero als herausragenden Spieler identifiziert und sogar online ein Zitat von ihm herausgesucht. Und er hat anschließend in rund zwei Sekunden einen Artikel geschrieben, für den ein Mensch deutlich länger gebraucht hätte.

Stellen Sie sich vor, man könnte einen Knopf drücken und damit auf magische Weise eine Geschichte über ein Baseball-Spiel erzeugen", heißt es auf der Website der Northwestern University aus Chicago. "Genau das tut das Stats Monkey System." Aus rohen, von Menschen vorgefertigten Textbausteinen destilliert das System einen dynamischen Text, der das Baseballspiel beschreibt.

War es ein Kantersieg? Lag eine Mannschaft zuerst vorne, verlor dann aber die Nerven? Oder ging es ständig zwischen beiden Teams hin und her? All das entscheidet die Software selbstständig in Sekundenbruchteilen und strickt daraus ihre Erzählung.

Stats Monkey entstand 2009 aus einer Spielerei des Informatik-Professors Larry Birnbaum. Er setzte Informatik-Studenten und Journalistenschüler zusammen in eine Klasse, und gab ihnen den Auftrag, eine Software zu schreiben, die rohe Daten in eine Erzählung verwandeln kann. Die Journalisten lieferten die Textbausteine, die Techniker puzzelten sie zusammen.

Einer der Studenten schrieb für die Lokalzeitung über College-Baseball, er lieferte die Buchstaben-Ursuppe für den Computer, brachte ihm bei, wie Baseball funktioniert. Relativ schnell wurde ein Investor aufmerksam. Mit einer Finanzspritze von sechs Millionen Dollar gründete das Team 2010 die Firma Narrative Science.

Einer der ersten Kunden war ein Nachrichtenportal für College-Sport. In den USA spielen die Begegnungen zwischen Universitäten in Football, Basketball oder Baseball eine große Rolle, doch Journalisten finden nicht immer die Zeit, über jedes Spiel zu berichten.

Die Text-Maschine fand hier eine perfekte erste Nische. 2011 schrieb sie nach Informationen der US-Zeitschrift Wired selbständig bereits rund 400.000 Artikel - in diesem Jahr sollen es rund 1,5 Millionen sein. Auch für Kinder-Ligen, für die Daten nicht online verfügbar sind, funktioniert die Technik. Hier können die Eltern über das iPhone einfach selbst Treffer und Spielergebnisse ihrer Kinder eintippen, die Software schreibt dann den passenden Text.

Und Sport ist erst der Anfang: Das renommierte Wirtschaftsmagazin Forbes lässt den Computer seit neuestem automatische Gewinnausblicke für börsennotierte Konzerne schreiben ("Analysten sind uneins über Exxon Mobil, aber sieben von 14 raten dazu, die Aktie zu halten. Die Wallstreet hat sich die letzten drei Monate für das Papier erwärmen können. . ."). Narrative Science gilt heute, weniger als drei Jahre nach ihrer Gründung, als eine der innovativsten Firmen Chicagos.

"Anfangs dachte ich, wir seien auf Sport, Finanzen und Immobilien beschränkt", sagt Robbie Allen, Gründer der Firma Automated Insights, die heute als schärfster Konkurrent von Narrative Science gilt. Allens Projekt statsheet.com bündelt über 400 Websites, die vollautomatisch über amerikanischen College- und Profisport berichten. Doch relativ schnell machte Allen eine Entdeckung: "Die Möglichkeiten, wie wir Daten in Inhalte verwandeln können, sind nahezu unbegrenzt."

Mittlerweile wird seine Firma von Anfragen überschüttet. "Alle möglichen Firmen wollen, dass wir Texte für sie produzieren, vom Energiesektor über das Gesundheitswesen bis hin zum Domainverwalter." Überall, wo große Datenmengen verfügbar seien, die kein Mensch mehr überblicken könne, sei die Technik sinnvoll. Selbst den Ton der Meldungen könne man variieren. "Wenn die Kunden etwas Trockenes wollen, schreiben wir etwas Trockenes", schwärmt Allen. "Wenn sie etwas wollen, das ungewöhnlich klingt oder eine gewisse Persönlichkeit hat, bauen wir einfach die jeweiligen Adjektive und Formulierungen mit ein."

Für menschliche Autoren ist es eine gruselige Vorstellung, dass allmählich eine maschinelle Konkurrenz heranwächst, die Abnehmer findet und so etwas wie menschliche Schwächen nicht kennt. Die Maschine schläft nicht, sie braucht keine Kaffeepause, ist ständig konzentriert, hochproduktiv (allein auf Forbes.com veröffentlicht sie täglich rund fünf Artikel) und absolut akkurat - Zahlen lügen nicht. Sie fordert niemals mehr Gehalt und fürchtet keine Schreibblockade.

"Wir ersetzen nicht den Journalisten", wehrt Allen solche Bedenken ab. "Wir stellen Inhalte in Dimensionen bereit, die ein menschlicher Schreiber unmöglich bewerkstelligen kann. Er müsste tausende, Millionen gleichartiger Dokumente schreiben, die für einen ganz bestimmten Zweck zugeschnitten sind." Allen träumt davon, für jeden Manager und jede Branche genau zugeschnittene Texte zu liefern, vollautomatisch.

Der Mensch hat in dieser Welt zwei mögliche Plätze: "Eine Art, wie wir mit Journalisten zusammenarbeiten, ist, dass der Computer drei Viertel des Textes schreibt", sagt Allen. "Der Mensch fügt dann etwas Farbe hinzu oder sucht noch ein Bild aus." Oder der Journalist könne alternativ, falls er über einen "analytischen" Verstand verfüge, auch selbst an der Entwicklung solcher Systeme mitarbeiten, dem Robo-Reporter also die Textschnipsel zuliefern.

"Man darf nicht zu viel erwarten", beruhigt der Computerlinguist Sebastian Padó von der Uni Heidelberg. Die Systeme würden zwar langsam besser darin, zusammenhängende Texte zu erzeugen. "Aber was ihnen fehlt, ist das gesamte Weltwissen eines Menschen." Das soll heißen: Der Computer schreibt zwar, hat aber keine Vorstellung davon, was er schreibt. "Für ihn sind das nur Zeichenketten ohne Bedeutung", sagt Padó.

Einen Text, bei dem jeder Satz auf den vorangehenden aufbaut, bekomme der Computer noch nicht hin. "Teilweise liest sich das noch holprig, wie bei einer maschinellen Übersetzung auch." Padó würde solche Systeme deshalb nicht dort einsetzen, wo es wirklich darauf ankommt, "etwa bei der Zusammenfassung von Krankenakten".
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"Um sinnvollen Text zu produzieren, ist ein tieferes Verständnis gar nicht unbedingt notwendig", glaubt hingegen der Philosoph Klaus Mainzer von der Technischen Universität München. Der Mensch verstehe Sprache auch ganz ähnlich wie ein Computer, indem er bestimmte Muster im Gehirn abgleiche. "Bei uns sind vielleicht noch Emotionen und visuelle Reize im Spiel, aber im Grunde ist es dasselbe."

Mainzer wäre sogar dankbar über einen Computer, der für ihn schreibt. Oft müsse er etwa Texte für die Verwaltung produzieren, die langweilige Routine seien. "Mein Bauchgefühl sagt mir: Das kann ein Computer auch", sagt Mainzer. Auch wissenschaftliche Fachartikel seien oft nach einem ganz bestimmten Muster verfasst. "Ich könnte mir vorstellen, dass selbst die Wissensproduktion mit solchen Systemen automatisiert wird." Mainzer sieht darin sogar Vorteile: "Der Mensch kann sich dann vielleicht wieder auf das Wesentliche konzentrieren: auf seine eigene Kreativität."

Schon jetzt beschränken sich Roboter-Reporter nicht mehr nur auf Zahlenmaterial, wie es bei Baseballspielen und Aktienkursen reichlich vorhanden und maschinell verwertbar ist. Der Trend geht dahin, auch unstrukturierte Daten wie Millionen von Twitter-Mitteilungen als Futter für Geschichten und Analysen zu benutzen. "Das ist die nächste große Sache", sagt Robbie Allen, auch er habe da mehrere Projekte laufen. Der Narrative-Science-Algorithmus berichtete beispielsweise schon über den US-Republikaner Newt Gingrich. Der Computer fasste einfach knapp zusammen, was Wähler über ihn und seine Wahlkampfthemen twitterten.

Eine ganze Reihe von Unternehmen hat erkannt, welche Schätze in Online-Datenbergen wie Twitter versteckt liegen - und angefangen, sie zu bergen. "Die Stimmung auf Twitter sagt den Aktienmarkt voraus", stellten etwa Informatiker um Johan Bollen 2010 im Journal of Computational Science fest. Die Firma Dataminr macht sich diese Erkenntnis zunutze - ihre Computer lesen jeden Tweet, der weltweit veröffentlicht wird und leiten daraus automatische Empfehlungen für Finanzkonzerne ab. Die Algorithmen des Start-Ups Marketbrief scannen täglich tausende Eingaben bei der US-Börsenaufsicht SEC und erstellen damit automatische Wirtschaftsmeldungen. "Eins ist klar", warnt der Philosoph Mainzer. "Gerade im Aktienmarkt könnte der Mensch hier ein Stück Kontrolle an die Maschinen abgeben."

Bislang kommen die Maschinen am besten mit Englisch zurecht - deutsche Texte kann noch kein Computer kommerziell produzieren. Noch nicht. "Bei Sprachtechnologien kommt Deutsch gleich hinter Englisch", sagt der Computerlinguist Padó. Unternehmer Allen sieht keine Hindernisse: "Es gibt nichts, was uns davon abhält, in anderen Sprachen zu schreiben."

Das sei sogar einer der wesentlichen Vorteile von automatisierten Inhalten, einen Artikel in mehreren Sprachen gleichzeitig produzieren zu können. Und es klingt fast wie eine Art Warnung, wenn Allen sagt: "Wir werden uns in andere Sprachen ausbreiten. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis uns die ersten Kunden darum bitten."«
Ende Artikel.

Ja, sind Wir Menschen denn Blöd!


Was bleibt Uns denn noch übrig, wenn Wir bald alles auf die Maschinen übertragen haben, was Wir so sind und können und tun? Nichts.
Und dann? Dann sagen Wir leise Servus. Nein, denn wenn das soweit ist, haben Wir auch das Servus auf die Maschinen übertragen, dann machts nur noch plopp und das Letzte von Uns wird von einer Maschine aufgesaugt und entsorgt.

Nein, oder?

Nein, ich glaub das nicht, das ist bestimmt nur so 'ne krude Angst, betrifft mich ja eh nicht mehr, ausserdem kann mir das doch wurscht sein, dann war das halt unser Zweck im DaSein, Maschinen zu bauen und auf die Alles zu übertragen, was Wir so drauf haben, bis Jetzt und Hierher, und die machen dann mehr draus, was Wir Menschen anscheinend nicht können, was Wir - Einfachen - Nicht drauf haben.
Oder doch?

Oliver-August Lützenich sage, Wir haben viel mehr drauf, sogar sehr viel mehr, aber ...
Sie wissen, es gibt immer eine Aber, ausserdem ist das nur meine bescheidene Einzel-Meinung und die zählt bekanntlich nur wenig, also Tschüss ...

Freitag, 22. Juni 2012

Das «i» ist in der Krise

Haben Sie gerade etwas RaumZeit für eine kritische Umkreisung der Krise, quasi eine sphärische Betrachtung eines inzwischen fast alltäglichen Zustandes in und zwischen den Weiten der Erde, oder liege ich da falsch? Könnte ja sein, dass ich nur etwas zur Seite rücken bräuchte und wäre völlig ausserhalb jedes Ausschlags der Amplitude der Normalität, wäre gerade bei einem Glas Wein, unter einem Vordach, geschützt von der Nachmittagssonne, im Kreis freundlicher, schwatzender Menschen, auf dem Tisch vor mir kleine Leckereien, vielleicht aus Andalusien, hätte gerade über einen Witz gelacht, lehnte mich zurück, um die Kehle wieder etwas zu befeuchten, in der schattigen Hitze und würde gerade ansetzen mit den Umsitzenden die Ernte unserer Feldfrüchte am nächsten Morgen zu besprechen, da breitet eine Frau neben mir noch eine süsse Leckerei aus und erzählt von einem schmackhaften Rezept für ein scharfes Gericht, das Sie für Morgen vorbereiten möchte und rund um Uns herum tollen Kinder mit einem Ball herum, schliesslich ist gerade EM, da schiebt mir Eines davon eine Weintraube in den Mund, die ich mit einem weiteren Schluck des vollen fruchtigen Weins herunterspüle, da kommt eine Geliebte vorbei und küsst mich lachend, und dann mache ich wieder einen Schritt zur Seite und werde voll von einer Krise in der Hüfte getroffen, könnt ja sein, oder?
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Igor Jablunowskij, "Stilleben mit Käse"
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Was hat die Krise mit dem Wort zu tun?
Eine etymologisch-philosophisch-humoristische Ein- und Umkreisung.
AllerOrten wird von der Krise gesprochen, von den kleinen persönlichen Lebenskrisen, bis zu den grossen Gesellschaftkrisen, Euro-Krise, Schulden-Krise, Banken-Krise, oder sogar der Klima-Krise, also einer Krise, die die gesamte BioSphäre erfasst hat.
Mein Beitrag handelt aber nicht von den Wirkungen und Geschehnissen, - privat oder allumfassend -, die mit dem Wort Krise bezeichnet werden, sondern behandelt  f a s t  nur dieses Wort. Dabei spielen die Wirkungen, die dieses Wort bezeichnet aber selbstverständlich eine Rolle, sie sind die Ursache und geben das Hintergrundgeräusch, bei der näheren Betrachtung und Bewertung dieses kleinen Wortes, mit den so starken Wirkungen, die es bezeichnet. Es ist also eine Sprach-Philosophische Lupe, die ich als Sprech- und Philosophieinteressierter Dilettant (siehe dazu ganz unten) da angelegt habe.
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Ich kann das obige Stilleben nicht alleine stehen lassen!
Francisco de Goya, "Stilleben"
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Die Annäherung begann mit der Frage: Welchen Weg hat das Wort zurückgelegt?
Um dann noch tiefer zu forschen, nämlich in Uns, den sprechenden, den die Worte formenden Wesen. Stimmt also das Wort mit der Stimmung überein, die es bezeichnet:
Ist das Wort passend? 
Nun, das beurteilen Wir gemeinsam, also auch Sie, und ich wette, es gibt einige Gegenstimmen. Ausgegangen bin ich vom lebendigeren Bereich der Sprachen, von den Vokalen, also den "Selbstlauten", von lat. 'vocalis' = "stimmreich, tönend", abgeleitet von lat. 'Vox' = "Laut, Ton, Schall; Stimme; Wort; Rede".
Im Unterschied zu den Konsonanten, den "Mitlauten", von lat. 'con-sonare' = "zusammen-, mittönen".
Interessant dabei ist, dass die Vokale mit der Atemluft ungehindert austreten können, während die Konsonanten von Zunge, Zähnen, Gaumen und Lippen umgeformt oder sogar beim Austritt gehemmt (gestoppt) oder eingeengt werden. Während also die Vokale aus der Tiefe kommen, sind die Konsonanten eine (inhaltliche) Beimischung, die den Vokalen Form und Farbe mitgeben und damit mehr Genauigkeit; eine interne Differenzierung der Lautäusserung, zur besseren Herkunftsbestimmung und Richtungsaussage.
Sprache ist eine Möglichkeit der AusDifferenzierung von Geräuschen, von Lauten, irgendwann hat unseren Vorfahren das A(h), U(h), I(iih) und O(h) nicht mehr gereicht, sie forderten mehr (inhaltliche) Details und sie bekamen sie, über die Zunge, z(w)ischen den Zähnen hindurch und mit blubbernden Lippen hinaus, in die Ohren hinein.
Und was hat das alles mit der Krise zu tun?

Das «i» ist in der Kr-i-se.
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i
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Zuerst eine rad-i-kale (von lat. 'radix' = "die Wurzel", die Süddeutschen denken da gerne auch an die Brotzeit (Radi), die "Löwen"-Fans auch an einen Torwart) Betrachtung der "Krise". Das Wort Krise entstammt ursprünglich aus dem griechischen 'krisis' (Ein Schelm, Was dabei nicht an Hier und Heute denkt, oder?), das "Entscheidung" oder auch "entscheidende Wendung" bedeutet. Die Lateiner übernahmen es in der Form 'crisis', vergrösserten den ersten Buchstaben zum 'C(risis)' und machten daraus einen medizinischen Begriff, der den Höhe- und Wendepunkt einer Krankheit bezeichnete. Über das französische 'Crise'  kam das Wort im 18. Jahrhundert (1789, -> Napoleon) auch zum Deutschen und wurde auch hier zum allgemeinen Gebrauch für "schwierige, komplizierte, aufrüttelnde, unübersehbare Situation/Umstand" ausgeweitet.
Nun könnte Mensch ja auf die Idee kommen, dass Dasjenige, was die Krise fühlt und dann in den Mund oder die Hand nimmt, eine Entscheidung scheut oder den Höhe- oder Wendepunkt einer Krankheit erleidet, aber das würde bedeuten, dass das DaSein eine Entscheidungsschwäche oder gar eine Krankheit ist, so oft, wie Einige beständig eine Krise ausrufen oder haben.
Aber das mag ich nicht beurteilen.
Was ich allerdings beurteilen mag, ist die tieferreichende Wurzel der Krise. Und da fällt auf, mitten in der Kr-i-se steht das "i". Ein lauter Vokal mitten zwischen "kr" und "s" und einem anstössigen, wenig beruhigenden auslaufenden "e", welches den Aufschrei, den das "i" erregte, bloss noch in die Länge zieht: Kriiisee!
Denn, die Vokale sind ja die Haupttöne der Sprache, sie kommen aus der Tiefe, geben die Stimmung an und hinaus, die Konsonanten werden erst beim Verlassen hinzugefügt, geben dieser Tiefe eine Richtung und ein wenig Genauigkeit, sagen Sie mal "Krs".
So ohne "i" ist das bloss ein Geräusch, oder? Ganz in der Nähe von Kuss, Kross, Krass, Kruste, Kresse und so weiter: "Krs"? Aber eine Krise bedeutet, fühlt und bekommt Mensch damit nicht. Kann Mensch die Krise auch nüchtern und still sprechen: krise, ganz leise? Ja, wenn Mensch schon mittendrinn oder gar am Ende ist, abgestumpft ist, die Krisen schon kennt, so wie Eines die Liebe spricht, wenn Es verlassen ist; aber wenn die Krise noch jung ist und Mensch noch lebendig ist, dann schreit das "i" in der Krise laut auf, dann bleibt keine Kruste mehr kross und ein Kuss wäre dann voll krass.
Iiiie!
Was machen Sie denn für ein Gesicht dabei?
Iiiie! Kommen Sie, gehen Sie vor den Spiegel und lassen Sie ein "i" verlauten, vielleicht etwas in die Länge gezogen, also ein"iii".
Und? Ekelhaft, oder?
Iii! Erschreckend, vielleicht? Schon jedem Kleinkind ist dieser Aufschrei und das dahinter-steckende Gefühl, das gleich auf das noch ältere "a" folgt (Pa->nik!), bekannt: "iii", schön schr-i-ll: "i!"; und nun ein wenig abgemildert und auslaufend abgemischt, mit etwas "e": "ie".
Jetzt beachten Sie bei der Beobachtung im Spiegel die Augen. Aber wirklich "iie!", nicht bloss flöten. Und? Hilfe! Oder? Entsetzen, oder?
Diebe! Hilfe, Ie kriiege diiie Kriiisee! Polizeiii!

Krise?
Vermutung: Was (Sie + Er = Was) von der Krise profitiert, kennt weder Ekel noch den Schrecken des DaSeins, Es schickt diesen "le[i]diglich" aus. Die Einen verbreiten sie und profitieren davon, die Anderen erliegen ihr und zahlen, so ist das bisher geregelt, oder? Heute schon geschiiissen? Also gut, der Ekel ist in Jedes driiinn. Keines ist davon frei, Das Eine Selbst ist jedoch mehr, das Andere weniger in der Krise.
Die Krise ist, wie Alles einfach ungerecht verteilt. Krediiit, Ziiinsen, Hiiilfe!

Und mittendrinn das "i", oder auch vorne drann und hinten "ch".
Kr! Die Englischen kommen inzwischen ohne "ch" aus, denen reicht das "I". Allerdings gehen Sie wohl miss-verständlicher-weise davon aus, dass Sie das Ei noch nicht verlassen hätten, dass Sie noch Ei-nes sind, aber das mag auch nur in "deutschen" Ohren so klingen, ei, ei. ei ..., aber, vielleicht ist das ja wiiirkliiich so, oder es ist zumindest besser für Sie? Allerdings wird bei den Englischen beim Zeigen auf das Selbst, das Ei wieder zum mi; i, was das wohl zu bedeuten hat?  Wir Ger-maniiischen, haben das Ei mit einem "i" verlassen, oder auch einem "iii!", an dem noch die Schale klebt: "ch".
Ich, ich, ich und ich auch und ich sowieso und dabei immer schön den Arm nach oben und mit den Fingern schniiippen: "ich!, ich!, ich!", um bei der Verteiiilung nicht zu kurz zu kommen;  gerne auch mit dem rechten Arm, und rufen: "Ich!", oder auch ohne "Ich!", und dem Anderen dabei nur das Beste zu wünschen, die Römer taten es mit "Salve", die Ger-maniiischen übersetzten es zwar "richtich", gönnten es aber leider raumzeit-weise(?) nur Einem, was Der aber nur schlecht ertrug, und damit den Gönnern wenig einbrachte, aber das ist ein anderes Kapiiitel.
Verzeihen Sie, als unaufgeräumter Deutscher entgleitet einem so Vieles in einen Dritten Bereich ab, der noch seiner Aufklärung harrt, darauf wartet, aber zurück zum i.

Ist das "i" dem Selbst ein Schrecken? Oder ist das Entdecken der Lebendigkeit, darin auch das Selbst, erstmal ein Er-Schrecken? I, ich bin lebendig.
Noch ein paar Worte zum "ich", das "ch" ist ja auch das Geräusch der Echsen und der Schlangen zur Abwehr: "ch!"? Ich. Das Erschrecken zusammengebunden mit der Abschreckung. Ist das jetzt zuviel der Interpretation von Geräusch und Gefühl, ist das eine Fehl-Einschätzung? Also ich, i ch lerne gerade die Freuden des DaSeins und hinter- und unterfrage dabei auch meine, Unsere, Mitteilungsform, Unsere Form der ZwischenSpezies-Kommunikation und kratze dabei den Kopf, aber ...
Da steckt Eines den Kopf übers Wasser und sieht-s ich und fühlt "ie"? War das so, oder war es eher ein "och?", oder ein freches "eeh", hey da, Sie da, ich da, du da: "uh" und die Kuh da hats gehört und gedacht(?): hey da, du da, muh da und die Mutta schreiiit und "rettet" das Kind vor der muh da, oda? Und schon sind Wir wieda in der Krise. Voll da. I

I.
Sooft iiich, dabei das Gefühl beachte, welches das "i" in miiir erregt, umso weniiiger möchte ich dabei Entscheiden, und darum ging es doch, oder?
Hilfe! Diebe! Miese! Hiebe! Krieg!!! Sieg!!!
Und iiich miiittendriiinn in dieser Wiiirkliiichkeiiit!  Was will da noch Da(mit)Seiiin?
Und jeweils Mittendrinn das Erschrecken, mittendrinn der Ekel und als Beschriftung daran, das "i"!
Und immer dabei auch die Liebe. Wenn die Sprache etwas bedeutet, was bedeutet dann das? Gerade nach dem vorherigen Satz spüre ich etwas aufsteigen: Wut. Aber gut, nur zu.

U.
Vorsicht! Uh, uh, uh, ganz vorsichtig, sonst wirds gefährlich! Uh, uh, uh, Wut, wenn ich jetzt nicht meine Fäuste banne, dann gibts einen rechten Schwinger in den Autor, ansatzlos, mitten rein in die eh, eh, weil die Liebe ist sakrosankt, sooo guuut, oder so.

O.
Schauen Sie dabei mal wieder in den Spiegel: "o", nur "o". Überraschung, oder?
Oder? O. Verzeihung. Aber ... O. Hilfe! Mord! Lohn. Hohn. Mohn. Zone. Krone. Wonne, obwohl!, die Wonne ist zuviel "n", wie wäre es mit Wohl, Kohl, Tod, tot. Überraschung? Oh. Was da alles drinn steckt in der Sprache und deren Einzelteilen, aber Wir waren beim "i" und der Krise und bleiben auch dabei, oder wie?

I!
Kr. Warum nicht "gr"?, das drohende "grrr", sondern das "kr", also das härtere "gr".
Grise.
Jetzt wissen Sie warum. Das weiche "gr" taugt vielleicht für den Griesbrei, das Grimmen, die Grimasse, den Grind und das Grinsen, aber spätestens bei der Grippe beginnt dann schon leicht die Krise, die dann auch noch jeden Grips überwindet. I, oder?
Kann das Fazit also sein, die Krise und nebenbei auch den Krieg, die Liebe und den Sieg zu überwinden, indem Wir das "i" aus Uns und damit auch aus Unserer Sprache entfernen? Uns bleiben ja noch das o, oder so? Oder das u, obwohl, hu? Und das leicht anstössige e. 
Sex, Sie wissen, kicher. Ein Scherz. Das auch im Herz steckt, oder versteckt auch im März. Säx, Aufwärts, Härz, Schärz, Abwärts, Schmärz; Was braucht Heute schon noch das e?
In Wirklichkeit ist vielleicht das "e" in der Krise. Zensen, Krese, Kredet, Greesbree, Leebe, Seeg; Helfe?; ich finde Wir sollten das überlegen.

Kann also aus der Krise nur herausfinden, wer in-s ich das e entdeckt, das friiiedliiiche e. Huch, selbst im Friiieden steckt die Krise, Friede! Liebe! Hiebe! Krieg! Diebe! Zins, Hiiilfe! Ich fliehe!
Also wie lösen wir den Ekel und das Entsetzen aus dem DaSein aus.
Das aus dem Frieden die Freude gedeiht, aus der Liebe die Lebendigkeit, aus dem Krieg die Kreide und aus der Hilfe!, das Helfen.
Geschriiien haben Wir doch nun schon lange genug, das Entsetzen und Erschrecken waren Riesengross, wie wäre es langsam mit etwas Beruhiiigung ... das ist aber jetzt gemein ... alles ist verwiiirrt und verfilzt, nichts ist sortenrein, also vergessen Siiie die Sachen mit dem "i", dann bleiben Wir doch einfach bei/in der Krise.
Und halten sie weiterhin besser aus, weil, ja weil die Krise nun mal zur Lebendigkeit gehört, wie auch das entspannte Glaserl danach, oder davor.
Also ich liebe die Krise, aber ich lass mich nicht davon allein bestimmen, ich gönn der Krise und mir ab Heute auch das zweite Auge, dann ist sie weniger einäugig.
Also, auf die Kriese, Proost.

Aber Halt! Ohne den Zweifel, darf ich Sie nicht entlassen. Was ist mit Kind, Rind, Pflicht, Licht, Wicht, der Gicht, dem Nicht, der freien Sicht, und der Bild, oder auch die Presse, in die Fresse mit der Kresse.
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Also ganz am Schluss noch ein Wort zu Oliver-August Lützenich, ich muss bekennen: ich bin eine wahrer Dilettant.

Dilettant: Das seit dem 18. Jh. bezeugte Fremdwort, bezeichnete zunächst nur den nicht beruflich geschulten Künstler bzw. den Kunstliebhaber, dann allgemeiner den Nichtfachmann und schliesslich abwertend den Stümper. Das Wort ist aus gleichbedeutend it. 'dilettante' entlehnt. Das zugrunde liegende Verb ital. 'dilettare' geht auf lat. 'delectare' zurück und bedeutet wie dieses: "ergötzen, amüsieren". Stammwort ist lat. 'lacere' "verlocken" bzw. das Intensiv: 'lactare' = "locken, ködern", das zusammenhängt mit lat. 'laqueus' = "Strick als Schlinge" (daraus unser Lehnwort 'Latz'). Die vermittelnde eigentliche Bedeutung von 'lacere' wäre dann etwa: "in eine Schlinge locken, bestricken".
Da bin ich doch gerne Dielettant, worin und wobei auch immer. Danke.